Journalist Arkadi Babtschenko am Leben: Geheimdienst-Aktion! Kreml-Kritiker überlebt vermeintlichen Anschlag der Russen

Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist als Mordopfer weltweit betrauert worden. Doch plötzlich ersteht er wieder auf - als Teilnehmer einer Geheimoperation. Die Hintergründe laden zu Spekulationen ein.

Der russlandkritische Journalist Arkadi Babtschenko wurde für tot gehalten, nahm aber an einer Geheimdienst-Operation teil.  Bild: Alexander Baroshin / dpa

Was für eine Wendung! Der angebliche Mord an dem regierungskritischen russischen Journalisten in Kiew ist nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU eine Spezialoperation gewesen. Babtschenko erschien am Mittwoch lebendig und unverletzt bei einer Pressekonferenz des SBU.

Ukrainischer Spezialeinsatz habe russischen Mord anBabtschenko verhindert

 

Der angebliche Mord sei eine über Monate vorbereitete Aktion gewesen, um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen, sagte SBU-Chef Wassili Grizak. "Wir haben einen Mordanschlag auf Babtschenko mit einem Spezialeinsatz verhindert." Der mutmaßliche Organisator sei festgenommen worden und werde verhört.

Der Journalist sagte, er sei vor etwa einem Monat eingeweiht worden. "In diesem Monat habe ich gesehen, wie die Jungs arbeiten, wie eifrig sie sind. Den ganzen Monat über waren wir im Kontakt, haben wir nachgedacht, gearbeitet, gehandelt. Und das Ergebnis war dieser Spezialeinsatz." Er entschuldigte sich bei seiner Frau "für die ganze Hölle, die sie durchmachen musste".

Russland weist Beteiligung am Mordanschlag zurück

Der vermeintliche Tod des prominenten Kreml-Kritikers hatte weltweit Trauer und Empörung ausgelöst. Bislang hatten die ukrainischen Behörden mitgeteilt, Babtschenko sei am Dienstagabend in Kiew erschossen worden. Die ukrainische Regierung hatte Moskau für den politischen Mord verantwortlich gemacht, was Russland zurückgewiesen hatte.

Der Täter habe von den Hintermännern 30 000 US-Dollar in Aussicht gestellt bekommen, für einen Mittelsmann habe es 10 0000 Dollar gegeben, sagte Geheimdienstchef Grizak.

"Ich bedauere, dass Babtschenko an dieser Provokation der ukrainischen Geheimdienste teilgenommen hat", sagte der russische Senator und Außenpolitiker Konstantin Kossatschow in einer ersten Reaktion.

Arkadi Babtschenko hatte in den 1990er Jahren als junger russischer Soldat im Tschetschenien-Krieg gedient. Er machte sich literarisch einen ersten Namen mit der Schilderung der Brutalitäten in der russischen Armee wie im Kampf gegen die Rebellen.

Morde an russlandkritischen Journalisten in Kiew

In der ukrainischen Hauptstadt wäre es der dritte Aufsehen erregende Mord an einem Journalisten in vier Jahren gewesen. 2016 tötete eine Autobombe den russischen Journalisten Pawel Scheremet, ebenfalls einen Kritiker der Moskauer Führung. 2015 wurde der ukrainische Journalist Oleg Busina ermordet. Die Fälle sind ungeklärt.

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pap/bua/news.de/dpa

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