Heikles Treffen: Krisengespräch! Angela Merkel trifft Putin in Sotschi

Kanzlerin Merkel und Präsident Putin treffen sich am Schwarzen Meer - das erste Mal in diesem Jahr. Einen ganz anderen Gast hat der Kremlchef in Sotschi schon zuvor überraschend empfangen.

Wladimir Putin (l), Präsident von Russland, trifft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Sotschi. Bild: dpa

Vor dem Hintergrund einer drohenden Eskalation in Nahost hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Jahr nach ihrem letzten Besuch mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Gespräch unter vier Augen getroffen. Im Mittelpunkt des Arbeitsbesuches in Sotschi sollten der Krieg in Syrien, der Konflikt in der Ostukraine und das von Donald Trump aufgekündigte Atomabkommen mit dem Iran stehen. Deutschland und Russland wollen beide an dem Abkommen festhalten, aus dem sich der US-Präsident vergangene Woche einseitig verabschiedet hatte.

Außerdem wollte Merkel darauf dringen, den Stillstand bei der Umsetzung der Minsker Friedensvereinbarungen für die Ostukraine zu überwinden. Thema sollte auch das Ostsee-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 sein, das von der Ukraine und der EU-Kommission kritisiert wird und das die USA gerne verhindern würden.

Assad-Schock vor Merkel-Besuch: Putin lässt Baschar al-Assad einfliegen

Putin hatte am Donnerstag den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad empfangen. Der Gastgeber sagte, die jüngsten Rückeroberungen von Rebellengebieten in Syrien seien wichtige Schritte, "um die gesetzmäßige Staatsmacht wiederherzustellen". Dies eröffne neue Chancen für eine politische Lösung und den Abzug ausländischer Truppen.

Deutschland verurteilt Russlands Unterstützung für Assads Truppen

Russland ist Syriens wichtigste Schutzmacht. Deutschland will, dass dort ein politischer Prozess beginnt, der zumindest einem Teil der Millionen Kriegsvertriebenen und Flüchtlinge die Rückkehr in ihre Heimat ermöglicht. Auch soll der Einfluss des Irans in dem Nachbarland Israels zurückgedrängt werden.

Die Bundesregierung hat Russlands Unterstützung für Assads Truppen mehrfach verurteilt. Dennoch ist man in Berlin überzeugt, dass es in dem Konflikt keine Lösung ohne Russland geben könne. Merkel will auch darauf dringen, die Umsetzung der Minsker Friedensvereinbarungen für die Ostukraine voranzutreiben. In einem Telefonat hatten Merkel und Putin vergangeneWoche auch über die Möglichkeit einer UN-Mission in dem Gebiet gesprochen.

Bringt der Besuch Ruhe in das angespannte Verhältnis zwischen Russland und Deutschland?

Das deutsch-russische Verhältnis ist gespannt, seit Russland sich 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibt hat und Separatisten in der Ostukraine unterstützt. Deshalb sah der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck (SPD), in dem Treffen eine "große Chance". Merkel habe im Wahlkampf gesagt, dass man kein Problem ohne die Russen lösen könne, auch nicht die Iran-Frage. "Die Kanzlerin muss jetzt viel besprechen, um den Frieden zu wahren", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die deutsche Wirtschaft erhofft sich viel von Merkels Besuch bei Putin

Die deutsche Wirtschaft erhofft sich in Russland von dem Treffen Merkels mit Putin Schützenhilfe. Den Unternehmen drohen Strafen der USA, wenn sie sich nicht an die Sanktionen gegen Russland halten. Zugleich droht Moskau den Firmen in Russland, die die US-Sanktionen einhalten.

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sba/news.de/dpa

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