Terrorgefahr in Berlin: Wollten die Islamisten Anis Amri rächen?

Nachdem sechs Verdächtige festgenommen wurden, hat die Polizei keine Haftbefehle erlassen. Der Hauptverdächtige hatte Kontakt zu Anis Amri und wollte diesen wohl rächen.

Die Polizei hat offenbar einen Anschlag auf den Halbmarathon in Berlin verhindert. Bild: dpa

Nach der Festnahme von sechs mutmaßlichen Islamisten in Berlin suchen die Sicherheitsbehörden weiter nach Hinweisen auf mögliche Anschlagspläne. Bisher habe die Polizei aber keine konkreten Anhaltspunkte auf einen Anschlag beim Berliner Halbmarathon.

Anschlag auf Berliner Marathon geplant: Abed El-Rahman W. (19) gilt als Hauptverdächtiger

Die Berliner Polizei hatte am Sonntag sechs Verdächtige im Alter von 18 bis 21 Jahren festgenommen und mehrere Wohnungen durchsucht. Darunter soll nach dpa-Informationen mindestens ein sogenannter Gefährder sein - also ein Mann dem die Behörden grundsätzlich einen Terroranschlag zutrauen. Der Hauptverdächtige ist laut "Bild" der 19-jährige Abed El-Rahman W., weitere Tatverdächtige sollen der Türke Ahmet Y. (20), Maher El-F. (19) sowie der Deutsche Sadik I. (18) sein.

Gefährder war eine Woche vor dem Anschlag 2016 mit Anis Amri essen

W. habe laut "Welt" mit einer Messerattacke den Tod seines Vertrauten Anis Amri rächen wollen. Der in Berlin geborene Deutsch-Tunesier soll Anis Amri vor Jahren in der Fussilet-Moschee (Berlin-Moabit) kennengelernt haben. Eine Woche vor dem Terror-Anschlag auf dem Breitscheidplatz im Dezember 2016 gingen beide zusammen essen. Bei dem Anschlag starben zwölf Menschen. Amri wurde am 23. Dezember von italienischen Polizisten in der Nähe von Mailand erschossen.

Seine Wohnung liegt nur 300 Meter von der Marathonstrecke entfernt

Nach "Tagesspiegel"-Informationen war der Hauptverdächtige W. bereits zwei Wochen dauerobserviert worden. Seine Wohnung befindet sich in der Budapester Straße, nur 300 Meter von der Marathonstrecke entfernt. Er sei den Behörden aus den Nachermittlungen zum Amri-Anschlag in Berlin bekannt gewesen. Zuletzt habe es offenbar einen Hinweis von einem ausländischen Geheimdienst gegeben, wonach der Mann einen Anschlag auf den Halbmarathon plane. Deshalb hätten die Sicherheitskräfte am Sonntag eingegriffen.

Sprengstoffhunde reagieren, jedoch kein Fund

Eine der jetzt durchsuchten Wohnungen im Westen der Stadt war der "Welt" zufolge auch nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt schon Ende 2016 durchsucht worden. Im Keller der Wohnung eines mutmaßlichen Komplizen des am Sonntag überwältigten Hauptverdächtigen schlugen demnach speziell auf Sprengstoff trainierte Hunde an. Die Polizei habe aber keinen Sprengstoff gefunden, sagte ein Sprecher am Abend.

Einsatz wegen Amokfahrt in Münster

Zu dem Einsatz hatte die Sicherheitskräfte auch die Amokfahrt am Samstag in Münster mit drei Toten bewogen. So eine Tat könne andere zur Nachahmung animieren, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Nach der Amokfahrt in der westfälischen Stadt war anfangs befürchtet worden, es könnte sich um einen Terroranschlag handeln. Nach den weiteren Ermittlungen handelte es sich bei dem Täter aber um einen womöglich psychisch labilen Deutschen.

Dschihadisten sollen deutschen Pass verlieren

Das Bundesinnenministerium will Dschihadisten mit einem Doppelpass die deutsche Staatsbürgerschaft entziehen. Das sei "ein vordringliches Ziel", er rechne mit einem Gesetzentwurf auf jeden Fall im ersten Jahr der Regierung, sagte der parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag).

Keine Haftbefehle in Berlin: Mutmaßliche Islamisten auf freiem Fuß

Sechs mutmaßliche Islamisten, die parallel zum Berliner Halbmarathon festgenommen worden waren, sind wieder frei. Die Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren wurden am Montag aus dem Polizeigewahrsam entlassen, gegen sie ergingen keine Haftbefehle, wie ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft mitteilte. Es gebe keinen dringenden Tatverdacht. Zwei Männer werden den Angaben zufolge dem islamistischen Umfeld des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri zugerechnet.

FOTOS: Eine Chronologie des Terrors Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
zurück Weiter Der Unglücksort, kurz nachdem der LKW in den Weihnachtsmarkt gerast ist. (Foto) Foto: picture alliance/Paul Zinken/dpa Kamera

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gma/kns/news.de/dpa

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