Giftgas-Anschlag auf Sergej Skripal: Julia Skripal aus Krankenhaus entlassen - Neue Identitäten für Vater und Tochter

Im Fall Skripal verhärten sich die Fronten zwischen Moskau und London. Äußerungen beider Seiten zeigen, wie gespannt die Stimmung ist. Für die vergifteten Skripals könnte sich nach einer Genesung eine neue Lösung abzeichnen.

Sergej Skripal und seine Tochter Julia wurden bei einem Giftgas-Anschlag schwer verletzt. Bild: dpa

Im Streit zwischen Russland und Großbritannien könnten der vergiftete Ex-Agent Sergej Skripal und seine Tochter Julia einem Bericht zufolge in den USA aus der Schusslinie gebracht werden. Die beiden könnten dort eine neue Identität bekommen, berichtete die britische Zeitung "Sunday Times" am Sonntag unter Berufung auf Regierungskreise. Die Fronten zwischen Moskau und London verhärteten sich am Wochenende weiter. Während die russische Botschaft auf ein Treffen mit dem britischen Außenminister Boris Johnson dringt, warf dieser Moskau Desinformation vor.

Julia Skripal aus der Klinik entlassen

Die bei einem Attentat in England vergiftete Russin Julia Skripal ist Berichten zufolge aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die britischen Sender BBC und Sky News nannten am Dienstag für ihre Meldungen aber keine nähere Quelle. Die 33-Jährige war am 4. März gemeinsam mit ihrem Vater, dem früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal, bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury gefunden worden.

Julia Skripal hatte sich am vergangenen Donnerstag erstmals seit dem Attentat in einer Mitteilung öffentlich zu Wort gemeldet und von Fortschritten bei der Genesung berichtet. Auch ihrem 66-jährigen Vater geht es inzwischen deutlich besser. Toxikologen halten aber Spätfolgen wie etwa Organschäden für nicht ausgeschlossen.

Nach Giftgas-Anschlag: Neue Identität für Sergej Skripal und Tochter Julia

Über die Zukunft von Vater und Tochter Skripal hätten Vertreter des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 mit US-Kollegen von der CIA diskutiert, schrieb die Zeitung. "Ihnen werden neue Identitäten angeboten", hieß es. So sollten sie vor weiteren Mordversuchen geschützt werden. Die 33-jährige Julia, die eigentlich in Russland lebt, soll Hilfe der russischen Botschaft abgelehnt haben. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Diplomatische Krise nach Giftgas-Anschlag auf Skripal

Vater und Tochter Skripal waren vor fünf Wochen bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Stadt Salisbury aufgefunden worden. Britische Forscher wiesen bei den Opfern das Nervengift Nowitschok nach, das einst in der Sowjetunion entwickelt wurde. London beschuldigt Moskau, Drahtzieher des Attentats zu sein. Russland weist dies zurück. Die Vorwürfe lösten eine diplomatische Krise aus.

Über das gespannte Verhältnis und die Ermittlungen will der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, mit Außenminister Johnson sprechen. Ein Treffen sei beantragt, teilte die Botschaft mit. "Ich möchte vom Chef des Außenministeriums seine Einschätzung der schwierigen Situation hören", sagte Jakowenko. Er bekräftigte Moskaus Forderung, in die Untersuchungen eingebunden zu werden.

"Lawine von Lügen und Desinformation"

Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte dazu: "Wir haben eine Anfrage bekommen. Wir werden zu gegebener Zeit antworten." Ebenfalls in der "Sunday Times" warf Johnson Russland eine "Flut von Absurditäten" und eine "Lawine von Lügen und Desinformation" vor.

Moskau kritisierte überdies, dass London eine Verwandte der Skripals nicht einreisen lässt. Viktoria Skripal, die Cousine von Julia, bekam kein Besuchervisum. In einem Brief bat sie nun Premierministerin Theresa May um Hilfe. Sie sagte der Agentur Interfax, das Visum sei ihr unter anderem verweigert worden, weil sie kein Konto mit mindestens 150000 Rubel (2100 Euro) besitze. Zudem sagte sie: "Ich habe eine Nachricht erhalten, in der die (britische) Botschaft die Absage damit erklärt, dass Julia mich anscheinend nicht sehen will."

Die Cousine spielt eine undurchsichtige Rolle in dem Fall. Nach einem BBC-Bericht befürchtet die britische Regierung, dass sie vom Kreml instrumentalisiert wird.

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fka/news.de/dpa

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