Forderungen von Terre des Femmes: Frauenrechtlerinnen wollen Burkas in Deutschland verbieten

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes fordert, das muslimische Frauen in Deutschland keine Burkas mehr tragen sollen. Auch die AfD hat im Februar erst einen solchen Antrag vorgebracht - und scheiterte.

Eine muslimische Frau trägt Nikab. Bild: Frank Leonhardt/dpa

Vor 20 Jahren wusste in Deutschland noch kaum jemand, was sich hinter "NikabDer Nikab ist ein Gesichtsschleier und wird oft in Verbindung mit einem Tschador, einem Tuch das den gesamten Körper verhüllt, getragen. " und "BurkaDie Burka ist ein Ganzkörperschleier, der von muslimischen Frauen getragen wird. Die Burka bedeckt den gesamten Körper, nur für die Augen gibt es einen kleinen Schlitz. In einigen europäischen Ländern, beispielsweise in Belgien und Frankreich, ist das Tragen der Burka verboten, weil darin ein Symbol der Unterdrückung von Frauen gesehen wird. " verbirgt. Inzwischen verbergen auch in Deutschland manche muslimische Frauen ihre Gesichter dahinter. Was wiegt schwerer: Religionsfreiheit oder Gleichberechtigung?

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes (TDF) will, dass Gesichtsschleier aus dem öffentlichen Raum verbannt werden. In einem aktuellen Positionspapier der Organisation heißt es: "Ohne ein Verbot wird es in Deutschland bald sehr viel mehr Vollverschleierung geben." Gleichzeitig kritisierte TDF, das Hinterfragen von Praktiken wie Frühehe oder Vollverschleierung werde in manchen linken Kreisen inzwischen fälschlicherweise "als rassistisch, islamophob oder (neo)kolonialistisch" diskreditiert.

Auch die AfD wollte ein Burka-Verbot

Die AfD-Fraktion hatte im Bundestag im Februar einen Antrag für ein generelles Verbot der Vollverschleierung eingebracht. Die anderen Parteien hatten den Antrag kritisiert, unter anderem unter Verweis auf die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit. In der Debatte zum Antrag bezeichneten jedoch auch Politiker anderer Parteien die Verhüllung des Gesichts als "Integrationshindernis".

Die Frauenrechtlerinnen erklären in ihrem Papier, die Religionsfreiheit dürfe nicht zu einer Worthülse verkommen, "die dafür genutzt wird, menschenverachtenden und antidemokratischen Gesinnungen Tür und Tor zu öffnen". Auch finde sich weder im Koran noch in den Überlieferungen aus der Zeit des islamischen Propheten Mohammed eine Vorschrift zur Verhüllung des weiblichen Gesichts.

Angst vor der Entwicklung in Deutschland

TDF-Vorstandsmitglied Hania Luczak sagte der dpa: "Wir grenzen uns ganz eindeutig von dem rückwärtsgewandten Frauenbild der AfD ab. Gleichzeitig bedauern wir, dass sich alle reflexartig vom Thema Vollverschleierung abwenden, nur weil auch die AfD für ein Verbot ist." Im März hatte Terre des Femmes den Mitgliedsantrag einer AfD-Funktionärin abgelehnt. Zur Begründung hieß es, TDF habe sich in einem Positionspapier von "Rechtspopulismus und Extremismus distanziert". Daher bestehe ein Interessenkonflikt.

Naila Chikhi empfindet den Gesichtsschleier als "Barriere". Die TDF-Aktivistin sagte: "Als ich ein Kind war in Algerien, da waren vollverschleierte Frauen die Ausnahme." Später seien die Drohungen der Islamisten und der soziale Druck immer stärker geworden. Heute gehörten Verschleierte in der Hauptstadt Algier zum Stadtbild. Chikhi sagte: "Ich möchte nicht, dass es so eine Entwicklung eines Tages auch in Deutschland gibt. Ich bin davor geflüchtet, und jetzt erlebe ich hier dasselbe Szenario."

Burka-Verbot ist nicht islamfeindlich

Für TDF hat ein Verbot der Vollverschleierung, wie es seit 2011 in Frankreich oder Belgien gilt, nichts mit Islamfeindlichkeit zu tun. Luczak erklärte: "Wir prangern etwa auch die Diskriminierung von Frauen durch die katholische Kirche an."

In Deutschland sind der arabische Gesichtsschleier (Nikab) und das afghanische Ganzkörpergewand mit Sichtgitter (Burka) nicht generell untersagt. Hessen hatte 2011 allerdings ein Verbot für den öffentlichen Dienst erlassen. Niedersachsen verbot im vergangenen August die Vollverschleierung an Schulen. Ein ähnliches Gesetz diskutieren derzeit die Ausschüsse des Landtages von Sachsen-Anhalt. In Bayern dürfen Gesichtsschleier seit August nicht in Schulen und Kindergärten getragen werden. Schätzungen zufolge verhüllen bundesweit einige Hundert Frauen ihr Gesicht.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

gma/fka/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser