Nach Ausländerstopp: Tafel-Chef attackiert Merkel - Politik schuld an Entwicklung

Seit Januar gibt es bei der Essener Tafel einen Aufnahmestopp für Ausländer. Während die einen der Hilfsorganisation Rassismus vorwerfen, kritisieren die Verantwortlichen die Politik von Angela Merkel.

Nach dem Ausländerstopp bei der Essener Tafel ist die Kritik an Angela Merkel enorm. Bild: news.de-Fotomontage (dpa)

Seit einer Woche läuft eine bundesweite Debatte über einen vorübergehenden Aufnahmestopp der Essener Tafel für Ausländer. Die Tafel in Essen begründet ihr Vorgehen mit einem weit überdurchschnittlichen Anteil an Ausländern. Gerade ältere Menschen und alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt und verdrängt gefühlt.

Aufnahmestopp für Migranten bei der Tafel in Essen - Heftige Kritik an Angela Merkel

Auch Bundeskanzlerin Angel Merkel kritisierte das Vorgehen vehement. "Wir lassen uns nicht von der Kanzlerin rügen, denn die aktuelle Entwicklung ist eine Konsequenz ihrer Politik", sagte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Merkel hatte die Entscheidung der Essener Tafel am Montag in einem RTL-Interview kritisiert: "Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut"

Er erwarte von einer Bundeskanzlerin, sich deutlich vor die Tafeln, ihre Arbeit und die Ehrenamtlichen zu stellen, sagte Brühl. In Bezug auf die Debatte um die Essener Tafel sprach der Tafel-Vorsitzende von einer Skandalisierung eines lokalen Vorgangs, die den wirklichen Skandal verdränge. Brühl: "Deutschland hat ein enormes Armutsproblem." Nun soll eine Neuregelung für die Essener Tafel erarbeitet werden.

Zahl der Bedürftigen wächst - Tafeln kommen an Kapazitätsgrenze

Die Tafel in Marl im nördlichen Ruhrgebiet sorgte in der vergangenen Woche für Verwirrung. Der Grund: Unterschiedliche Angaben zum Umgang mit Ausländern. Nun stellte die Tafel klar, alleinstehenden Ausländern werde nicht aufgrund ihrer Nationalität die Ausgabe eines Berechtigungsausweises verwehrt. Vielmehr sei die Kapazität schuld daran, dass aktuell keine alleinstehenden Männer zugelassen werden. Nur noch Familien mit Kindern sowie Rentner werden aufgenommen, so die Vorsitzendes des Trägervereins, Renate Kampe.

Der Aufnahmestopp für alleinstehende Männer betreffe in der Praxis vor allem Ausländer, aber auch deutsche Männer habe man schon abweisen müssen. Die Regelung sei eingeführt worden, nachdem man wegen der zahlreichen Flüchtlinge an Kapazitätsgrenzen gestoßen sei. "Das Hauptproblem ist, dass wir nicht genug Ware haben", sagte Kampe. Abgewiesene Antragsteller würden gebeten, alle vier Wochen wieder nachzufragen.

Widersprüchliche Aussagen: Hat die Tafel in Marl ein Problem mit Ausländern?

Zuvor hatte sich die Tafel Marl gegenüber Medien widersprüchlich zu ihrem Umgang mit Ausländern geäußert. Die "Recklinghäuser Zeitung" berichtete schon am 22. Februar unter Berufung auf Kampe, dass es bei der Marler Tafel bereits seit einem halben Jahr einen Aufnahmestopp für Migranten gebe. "Deutsche Kunden trauen sich teilweise gar nicht mehr zu uns rein", wurde Kampe zitiert. Am Dienstag (27. Februar) sagte sie der Zeitung, durch Verständigungsschwierigkeiten mit ausländischen Kunden gerieten die ehrenamtlichen Helfer an ihre Grenzen. "Dass wir Ausländer ablehnen, kann uns wirklich niemand vorhalten", zitierte die Zeitung die 79-Jährige.

Im Interview des NRW-Lokalradiosenders Radio Vest antwortete Kampe am Mittwoch (28. Februar) auf die Frage, dass die Tafel einen Migrantenstopp ausgerufen habe, mit ja. Am Donnerstagmorgen berichtete der Westdeutsche Rundfunk (WDR), die Tafel habe bestätigt, dass nur noch Neukunden mit deutschem Pass aufgenommen würden.

Nach Anfragen bei Vorstandsmitgliedern berichtete die dpa am Donnerstag, dass lediglich alleinstehende ausländische Männer derzeit keine Berechtigungsausweise für die Lebensmittelausgabe erhielten - ausländische Familien seien davon nicht betroffen. Am Nachmittag betonte Kampe dann, dass die Nationalität kein Kriterium sei und alleinstehende Männer generell keinen Berechtigungsausweis erhielten.

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bua/fka/news.de/dpa

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