Sigmar Gabriel sauer: Nicht nur Gabriel wütet - SPD-Spitze stellt sich gegen Martin Schulz!

Es brodelt in der SPD:"Ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht": Sigmar Gabriel, noch Außenminister, zitiert seine Tochter, die sich auf mehr Zeit mit ihm freue. Denn der Mann mit dem Bart, Martin Schulz, schnappt ihm den Außenminister-Job weg.

Sigmar Gabriel wirft Martin Schulz "Wortbruch" vor. Bild: dpa

Angesichts seines drohenden Endes als Außenminister wirft Sigmar Gabriel SPD-Chef Martin Schulz Wortbruch vor. "Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt", sagte Gabriel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Sigmar Gabriel wirft SPD-Führung "Wortbruch" vor

Welches Versprechen er meint, sagte er nicht. Gabriel hatte im Januar zugunsten von Schulz auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur verzichtet, um Außenminister zu werden. Es wird seither kolportiert, dass Schulz ihm damals für den Fall einer neuen großen Koalition versprochen hat, dass er das Außenamt behalten darf.

Schulz hatte am Mittwoch erklärt, dass er selbst Außenminister werden will, obwohl er nach der Wahl ausgeschlossen hatte, in ein Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einzutreten.

Droht Gabriel das politische Aus?

Der 58-jährige Gabriel, bisher Vizekanzler und von 2009 bis 2017 der am längsten amtierende Parteichef seit Willy Brandt, droht der Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit, obwohl er laut letztem ARD-"Deutschlandtrend" Deutschlands beliebtester Politiker ist.

"Für mich beginnt jetzt eine neue Zeit. Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: "Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht", so Gabriel.

Martin Schulz sagt ab: Sigmar Gabriel nimmt doch an Sicherheitskonferenz teil

Aus Sicht von Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) ist Gabriels Karriere noch nicht zu Ende. Gabriel habe großartige Arbeit geleistet, sagte Weil bei einer SPD-Klausur bei Hannover, allerdings noch in Unkenntnis von Gabriels Interview. "Ich bin sicher, wir werden weiter von ihm hören. Das ist nicht das Ende seiner politischen Arbeit und auch nicht seiner politischen Karriere." Gabriel hatte am Donnerstag nach Bekanntwerden der geplanten Ressortverteilung diverse Termine und Reisen, die er noch als geschäftsführender Außenminister geplant hatte, abgesagt, darunter auch den Besuch bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Dies hat das Auswärtige Amt nun dementiert.

"Der Bundesaußenminister plant, an der Münchner Sicherheitskonferenz in der nächsten Woche teilzunehmen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Freitag in Berlin. "Es ist nicht zutreffend, dass der Bundesaußenminister alle seine Termine abgesagt habe."

Gabriel verliert vertrauen der SPD

Nach vielen Alleingängen und einer gewissen Sprunghaftigkeit hatte er vor der Abgabe des SPD-Vorsitzes massiv an Vertrauen in der Partei verloren. Der Mann aus Goslar verzichtete am Ende zugunsten Schulz' auch auf die Kanzlerkandidatur. Seine wiederholte Kritik an der SPD und ihrer Wahlkampagne ließ ihn noch einsamer werden.

Sigmar Gabriel rechnet mit Martin Schulz ab

"Ich habe das Amt des Außenministers gern und in den Augen der Bevölkerung offenbar auch ganz gut und erfolgreich gemacht. Und da ist es ja klar, dass ich bedauere, dass diese öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit der neuen SPD-Führung herzlich egal war", sagte Gabriel nun. Er wisse, dass in der Politik auch schon mal mit harten Bandagen gestritten werde. "Aber es sollte mit offenem Visier erfolgen."

Gabriel sagte weiter: "Ich komme wohl noch zu sehr aus einer analogen Welt, in der man sich nicht immer nur umschleicht, sondern sich einfach mal in die Augen schaut und die Wahrheit sagt. Das ist scheinbar aus der Mode gekommen."

Es brodelt in der SPD: Auch Partei-Basis übt Kritik an Schulz

Auch Schulz wird nach dem anstehenden SPD-Mitgliedervotum über den Koalitionsvertrag mit der Union den Parteivorsitz abgeben, an Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles. Sie hatte als Generalsekretärin unter dem Agieren des damaligen Vorsitzenden Gabriel gelitten und hat daher laut Parteikreisen kein Interesse daran, dass er Minister bleibt. "Ich bin Martin Schulz persönlich dankbar. Ich habe schon Anderes in unserer Partei erlebt", hatte sie am Mittwoch in der Pressekonferenz zur Übernahme des Vorsitzes gesagt.

Mehrere Vertrauensbrüche! Schulz soll auf Ministerposten verzichten

An der Basis wächst aber die Kritik, da Schulz mehrere Wenden und Wortbrüche vollzogen hat - etwa bei den Aussagen, dass es keine große Koalition mit ihm gebe und er kein Minister werden wolle. Außerdem hatte er stets betont, ihm gehe es nur um Inhalte, nicht um Posten - nun sieht es aus, als wolle er mit dem Amt des Außenministers seine Karriere in Berlin retten. Mit Spannung werden die Reaktionen an der Basis bei den Debatten zum Mitgliederentscheid über die große Koalition erwartet.

Die "Bild"-Zeitung munkelte währenddessen darüber, dass die SPD nur darauf warte, dass Schulz auf das Amt des Außenministers verzichtet. Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Lesen Sie auch: Was Sie über die neue Große Koalition wissen müssen.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

sba/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Empfehlungen für den news.de-Leser