Altersarmut in Deutschland: Hunderttausende deutsche Rentner auf Tafel angewiesen

Die steigende Altersarmut ist in Deutschland ein schweres Problem. Immer mehr Rentner sind auf die Hilfe der Tafel angewiesen. Ohne die Lebensmittelspenden könnten sie mitunter nicht überleben. Die Rente reicht hinten und vorne nicht.

Die Altersarmut in Deutschland steigt weiter. Bild: dpa

Immer mehr Rentner werden von den Tafeln mit kostenlosen Lebensmitteln versorgt. Nach Angaben des Bundesverbandes der Tafeln hat sich ihre Zahl binnen zehn Jahren verdoppelt. "Fast jeder vierte Tafelkunde ist mittlerweile Rentner. Das sind in etwa 350.000 Menschen", sagte der Verbandsvorsitzende Jochen Brühl der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

2007 seien noch gut 12 Prozent der Bedürftigen Senioren gewesen. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, nannte dies "ein deutlich sichtbares Signal dafür, dass die Altersarmut auf dem Vormarsch ist".

Nach Angaben des Dachverbandes gibt es hierzulande mehr als 900 Tafeln, die regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen.

Brühl appellierte an die Politik, Armut ernsthaft zu bekämpfen. Armut sei der Nährboden für das Gefühl, abgehängt zu sein, "und damit letztlich auch Wegbereiter des Extremismus".

Sinkendes Rentenniveau in Deutschland

Die Rentenfinanzen werden sich künftig mit dem Eintritt geburtenstarker Jahrgänge ins Rentenalter weiter verschlechtern. 2023 dürfte der Beitragssatz laut dem ebenfalls im Kabinett beratenen Rentenversicherungsbericht wohl wieder auf 18,7 steigen. Dann steigt er weiter. Im Jahr 2031 dürfte er bei 21,9 Prozent liegen.

Das Sicherungsniveau vor Steuern - das Verhältnis von Renten zu Löhnen - beträgt derzeit 48,2 Prozent und sinkt nach 2024 unter 48 Prozent. 2031 dürfte das Rentenniveau auf 44,6 Prozent fallen, wenn die Politik die Weichen nicht vorher anders stellt. "Der Rückgang des Sicherungsniveaus vor Steuern macht deutlich, dass die gesetzliche Rente zukünftig alleine nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen", so der Rentenversicherungsbericht. Zusätzliche Vorsorge sei dazu nötig.

Welches Nettoeinkommen haben Rentner aktuell?

Heute kommen 63 Prozent aller Einkommen der Seniorenhaushalte von der gesetzlichen Rente. 2015 kamen Ehepaare in den alten Ländern auf ein monatliches Nettoeinkommen von durchschnittlich 2572 Euro, alleinstehende Männer auf 1593 Euro und Frauen auf 1422 Euro. In den neuen Ländern verfügten Ehepaare über 2257 Euro, alleinstehende Männer über 1389 Euro und Frauen über 1370 Euro je Monat.

Während die Ausgaben der Rentenkasse im laufenden Jahr mit rund 293 Milliarden Euro von den Einnahmen gedeckt sind, geht die Schere in den kommenden Jahren auseinander. Im Jahr 2021 dürften die Ausgaben die Einnahmen um 4,6 Milliarden Euro übersteigen.

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fka/bua/news.de/dpa

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