Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt 2016: Schwere Vorwürfe! Merkel trifft Opfer vom Breitscheidplatz

Die Bundeskanzlerin will zuhören am Montag. Zuhören, was ihr Hinterbliebene von Opfern des Berliner Terroranschlags vor einem Jahr zu sagen haben. Sie fühlen sich im Stich gelassen.

Die Hinterbliebenen des Terror-Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt erheben schwere Vorwürfe gegen die Kanzlerin. Bild: Michael Kappeler/dpa

Es wird kein einfaches Treffen für Angela Merkel. Fast genau vor einem Jahr raste der Attentäter Anis Amri mit einem gestohlenen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche, 12 Menschen wurden getötet, rund 70 verletzt. An diesem Montag kommt Merkel im Kanzleramt mit Hinterbliebenen zusammen - ein spätes Treffen, kritisieren viele. Und eine Begegnung, die emotional aufgeladen ist.

Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Hinterbliebene kritisieren Merkel

Denn vor mehr als zwei Wochen geht in der Regierungszentrale ein besonderer Brief ein. Wer ihn liest, spürt Trauer, Schmerz, Ohnmacht, ein Gefühl des Alleingelassen-Seins, aber auch hilflose Wut. "Frau Bundeskanzlerin, der Anschlag am Breitscheidplatz ist auch eine tragische Folge der politischen Untätigkeit Ihrer Bundesregierung." Und: "In Bezug auf den Umgang mit uns Hinterbliebenen müssen wir zur Kenntnis nehmen, Frau Bundeskanzlerin, dass Sie uns auch fast ein Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kondoliert haben." Gezeichnet: Mitglieder aller zwölf Familien der Todesopfer vom Breitscheidplatz.

Angela Merkel von offenem Brief "berührt"

Auch Merkel hat den Brief gelesen, der "in vielen Punkten 'berührend' sei und 'kritisch', sagte Regierungssprecher Steffen Seibert vor zwei Wochen. "Deswegen will die Bundeskanzlerin bei dieser Begegnung zuhören. Sie will genau wissen, was es ist, das den Angehörigen eine ungeheuer schwere Zeit möglicherweise unnötig noch schwerer gemacht hat, und sie wird sich diesem Gespräch und vielleicht auch der Kritik an den staatlichen Institutionen stellen." Im übrigen sei die Einladung für das Treffen vor dem Eingang des Briefes im Kanzleramt verschickt worden.

Regierungssprecher Seibert verteidigt die Kanzlerin

Kritik an Untätigkeit der Kanzlerin wies Seibert zurück. Merkel habe am Morgen nach dem Terroranschlag in ihrer Ansprache das Gedenken an die Opfer und an die Verletzten "allen anderen Gedanken" vorangestellt. Und im März hätten sich der damalige Bundespräsident Joachim Gauck und Innenminister Thomas de Maizière mit den Angehörigen getroffen, dies sei mit dem Kanzleramt abgestimmt gewesen. Ein paralleles Treffen mit Merkel sei damals nicht sinnvoll erschienen. "Jetzt stellt sie sich diesem Gespräch, und der offene Brief der Betroffenen zeigt ja, wie sinnvoll und wie dringend diese Begegnung dann auch ist."

Angela Merkel trifft Hinterbliebene des Weihnachtsmarkt-Anschlags

Am Montagnachmittag also kommt die Kanzlerin nun mit Hinterbliebenen zusammen, das Treffen soll zwei Stunden dauern. Am Morgen tagen zunächst die CDU-Gremien mitten im Stress der Regierungsbildung, mittags empfängt Merkel den Regierungschef der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak.

FOTOS: Eine Chronologie des Terrors Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
zurück Weiter Der Unglücksort, kurz nachdem der LKW in den Weihnachtsmarkt gerast ist. (Foto) Foto: picture alliance/Paul Zinken/dpa Kamera

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