Arbeitsmarkt in Deutschland: Hohes Armutsrisiko! Immer mehr Jobs nur befristet

Vor allem Jüngere, Ausländer, Menschen ohne Berufsabschluss sind betroffen - aber auch Akademiker: Befristungen haben längerfristig immer mehr zugenommen. Was sind die Probleme - wo gibt es Vorteile?

Die Zahl der befristeten Beschäftigungen ist in Deutschland gestiegen. Vielen Arbeitnehmern droht Armut. Bild: Daniel Karmann/dpa

Die Zahl der befristet Beschäftigten in Deutschland hat innerhalb der vergangenen 20 Jahre um mehr als eine Million auf rund 2,8 Millionen im vergangenen Jahr zugenommen. Das geht aus einer Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. 2015 waren rund 2,7 Millionen Arbeitnehmer befristet beschäftigt.

Rund 2,8 Millionen Jobs in Deutschland nur befristet

Berücksichtigt wurden alle abhängig Beschäftigten ab 25 Jahren. Jüngere Arbeitnehmer im Übergang von Schule oder Hochschule zum Arbeitsmarkt flossen nicht in die Statistik ein. Der Anteil der befristet Beschäftigten an allen abhängig Beschäftigten stieg seit 1996 von 6,4 auf 8,5 Prozent. Der Anteil wuchs mit leichten Schwankungen bis 2006 auf 8,4 Prozent und schwankte seither zwischen 8,2 und 8,9 Prozent. Besonders oft sind 25- bis 34-Jährige befristet beschäftigt. Hier stieg der Anteil von 9,6 Prozent vor 20 Jahren über 16,6 Prozent 2006 bis 18,1 Prozent im vergangenen Jahr.

Arbeitgeberverband hält Befristungen für "Beschäftigungsmotor"

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter, wies darauf hin, dass der Anteil der Befristungen seit mehr als einem Jahrzehnt nahezu konstant und insgesamt unter 9 Prozent geblieben sei. "Zudem erhalten mehr als zwei Drittel der befristet Beschäftigten eine Anschlussbeschäftigung", sagte Kampeter der dpa. "Das unterstreicht, wie wichtig das Instrument als Beschäftigungsmotor ist."

Linke fordern Stopp des "Befristungsirrsinns"

Die Linke-Politikerin Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, forderte einen Stopp des "Befristungsirrsinns". "Gerade bei jüngeren Menschen sorgen Befristungen dafür, dass sie elementare Dinge des Lebens nicht planen können, wie etwa eine Familiengründung», sagte Zimmermann der dpa. "Befristungen sind zudem grundsätzlich ein Instrument zur Disziplinierung der Beschäftigten und zur Spaltung der Belegschaft."

Arbeitgeberverband behauptet: Befristung schafft neue Jobs

Die Arbeitgeber verteidigen befristete Beschäftigung, Teilzeit oder Zeitarbeit als Möglichkeit, das Arbeitsvolumen an "betriebliche Notwendigkeiten" anzupassen, wie die BDA betont. Reguläre Jobs würden nicht verdrängt, die Schaffung neuer Jobs eher erleichtert.

Erfahren Sie mehr: Arbeitsmarkt – Arbeitslosenzahl sinkt im November auf 2,4 Millionen.

  • Seite:
  • 1
  • 2
Empfehlungen für den news.de-Leser