28.11.2017, 13.22 Uhr

Andreas Hollstein: War die Messer-Attacke auf Altenas Bürgermeister spontan?

Am Montagabend ist ein Mann mit einem Messer auf den Bürgermeister der kleinen Stadt Altena losgegangen. Vieles spricht für ein politisches Motiv.

Der Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein (CDU), ist mit einem Messer angegriffen worden. Bild: dpa

Die Staatsanwaltschaft Hagen stuft den Angriff auf den Bürgermeister der sauerländischen Stadt Altena, Andreas Hollstein (CDU), als spontan und nicht von langer Hand geplant ein. Das sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli am Dienstag in Hagen und fügte hinzu, bislang gebe es keine Hinweise, dass der Täter Verbindungen in die organisierte rechte Szene gehabt habe. Die Staatsanwaltschaft habe den dringenden Tatverdacht des versuchten Mordes bejaht. Zudem lägen niedrige Beweggründe vor, da der Beschuldigte seine Tat mit der Flüchtlingspolitik des Bürgermeisters gerechtfertigt habe.

Staatsanwaltschaft: Angriff auf Bürgermeister war wohl spontan

Verbindungen des Beschuldigten in die rechte Szene seien bislang nicht ermittelt worden, sagte Pauli. Die Staatsanwaltschaft gehe davon aus, dass es sich um eine Spontantat handele, da der Täter erst im Imbiss bemerkt habe, dass es sich bei dem anderen Imbissbesucher um den Bürgermeister gehandelt habe. Es sei keine Planung von langer Hand erkennbar, aber auch da würden die Ermittlungen weitergeführt.

Hollstein war am Montagabend in einem Döner-Grill in Altena von einem 56-jährigen Mann angegriffen worden und erlitt eine Schnittwunde am Hals. Er kam ins Krankenhaus, wurde nach wenigen Stunden wieder entlassen. Hollstein hatte erzählt, der Täter habe ihn in dem Imbiss vor dem Messerangriff gesagt: "Sie lassen mich verdursten und holen 200 Flüchtlinge nach Altena."

Polizei vermutete zunächst politisches Motiv

Oberstaatsanwalt Pauli sagte, der Täter sei leicht alkoholisiert gewesen, mit 1,1 bis 1,2 Promille. Er habe psychische Probleme gehabt. Daher werde nun eine psychiatrische Untersuchung beantragt, um Klarheit über seine Schuldfähigkeit zu bekommen. Bislang sei der Mann nicht gravierend strafrechtlich in Erscheinung getreten, lediglich mit Trunkenheitsdelikten.

Die 18 000-Einwohner-Stadt Altena wurde bundesweit bekannt, weil sie mehr Flüchtlinge aufnimmt, als sie nach dem Verteilschlüssel aufnehmen müsste. Damit soll unter anderem der starke Bevölkerungsschwund gestoppt werden. Mit seiner auf eine schnelle Integration der Flüchtlinge ausgerichteten Politik hat sich Hollstein auch Feinde gemacht.

Hollstein wurde wiederholt beschimpft und bedroht

Hollstein sagte, er sei wiederholt im Netz anonym beschimpft und bedroht worden. Auch seine Familie sei davon betroffen. Der Bürgermeister ist verheiratet und hat vier Kinder. Er beklagte, dass Debatten in Deutschland "immer härter und rücksichtsloser" geführt würden. Er werde aber an seinem Kurs festhalten und auch künftig nicht mit Polizeischutz unterwegs sein.

Bundesjustizminister Heiko Maas bestürzt über Vorfall in Altena

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte den Angriff. "Schreckliche Nachricht aus Altena", schrieb er am Dienstagmorgen auf Twitter und wünschte Hollstein gute Besserung. "Dürfen niemals akzeptieren, dass Menschen attackiert werden, nur weil sie anderen helfen. In unserem Land darf kein Platz sein für Hass und Gewalt", ergänzte der Minister. Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) schrieb bei Twitter: "Alle guten Wünsche an Andreas Hollstein, dem großartigen Bürgermeister Altenas."

"Diese Gewalt in unserem Land gegenüber ehrenamtlich Tätigen, gegen Bürgermeister, die sich um das Wohl ihrer Stadt kümmern, ist verabscheuungswürdig", sagte Ministerpräsident Laschet. "Klar ist: in Nordrhein-Westfalen ist kein Platz für Hass und Gewalt. Die Vielfalt ist Kennzeichen unseres Landes."

Merkel: Bin entsetzt über Messerangriff auf Bürgermeister von Altena

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich bestürzt: "Ich bin entsetzt über den Messerangriff auf Bürgermeister Andreas Hollstein - und sehr erleichtert, dass er schon wieder bei seiner Familie sein kann", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag im Namen der Kanzlerin. "Dank auch an die, die ihm geholfen haben."

Auch diese Politiker wurden Opfer eines Attentats

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) war im Oktober 2015 einen Tag vor ihrer Wahl von einem Rechtsextremisten mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Schäuble wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung 1990 Opfer eines Attentats - und ist seither querschnittsgelähmt.

In der vergangenen Woche wollte ursprünglich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in NRW auch nach Altena kommen - und sich dort mit Flüchtlingsfamilien treffen. Diese Reise musste er wegen der geplatzten Jamaika-Verhandlungen absagen.

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sba/news.de/dpa

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