Nach Großbritannien-Wahl 2017: Trotz herber Wahlverluste: Theresa May will Regierung bilden

Es ist für sie ein Wahldesaster, dennoch will Theresa May weitermachen. Die britische Premierministerin setzt auf eine Minderheitsregierung und will sich umgehend das Okay von der Queen holen. Ganz Europa blickt mit Sorge auf die unübersichtliche Lage.

Bei der Wahl in Großbritannien musste Premierministerin Theresa May eine Niederlage einstecken. Bild: Alastair Grant/dpa

Großbritanniens Premierministerin Theresa May will trotz ihrer Wahlschlappe zügig eine Regierung bilden und wie geplant am 19. Juni mit den Brexit-Verhandlungen beginnen: "Ich war gerade bei Ihrer Majestät der Königin und ich werde jetzt eine Regierung bilden", sagte May am Freitag nach einem Besuch im Buckingham-Palast, wo sie sich formell das Einverständnis von Elizabeth II. abgeholt hatte.

Die Regierung werde das Land durch die Verhandlungen über den EU-Austritt führen, die bereits in zehn Tagen begännen. Das Datum 19. Juni hatte Brüssel vorgeschlagen. Man werde sich jetzt auf einen Brexit-Deal konzentrieren, der eine "neue Partnerschaft" mit der EU sicherstelle.

Konservative verlieren absolute Mehrheit

Bei der Wahl wurden Mays Tories hart abgestraft. Sie verloren die absolute Mehrheit, blieben insgesamt aber die stärkste Kraft im Unterhaus. Nach der Auszählung fast aller Stimmen konnte keine der beiden großen Parteien eine Mehrheit der 650 Wahlkreise für sich gewinnen. Bis Freitagmittag fehlte nur noch ein Wahlkreis: Kensington im Zentrum Londons war der letzte, der sein Ergebnis noch nicht vorgelegt hatte. An den Mehrheitsverhältnissen im Parlament ändert das Ergebnis aber nichts mehr.

May hatte die Neuwahl im April ausgerufen - mit der Absicht, ihre Regierungsmehrheit zu vergrößern. Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei hatte sie aufgefordert, ihren Posten zu räumen. Er brachte eine eigene Minderheitsregierung ins Spiel.

Was bedeutet die Situation für den angestrebten Brexit?

Der komplizierte Wahlausgang ist auch wichtig für die anstehenden Brexit-Gespräche zwischen London und Brüssel. Die hoch komplizierten Verhandlungen müssen bis Ende März 2019 abgeschlossen sein. Sonst scheidet Großbritannien ohne Vertrag oder Übergangsregelung aus der EU aus. Die Folgen für die Wirtschaft und die Bürger wären in diesem Fall kaum absehbar.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wartet nun auf ein Signal der Briten für den Beginn der Brexit-Verhandlungen. "Jetzt sind die Briten am Zug", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Das kann Juncker zufolge aber etwas dauern: "Der Staub in Großbritannien muss sich jetzt legen." Die EU könne die Gespräche sofort aufnehmen: "Wir sind seit Monaten bereit zu verhandeln. Wir können morgen früh anfangen."

Die europäischen Börsen reagierten am Freitag zunächst mit leichten Gewinnen auf die Schlappe für die britische Premierministerin. Allerdings büßten die wichtigsten Aktienindizes einen Teil ihrer deutlichen Aufschläge im frühen Handel wieder ein.

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