Türkei in der Klemme!: Muss Erdogan jetzt bei der EU um Hilfe betteln?

Nach Erdogans Europa-Kritik und seinen Nazi-Vergleichen sollte der türkische Präsident sich in dieser Woche mit seinen Sticheleien wohl besser zurückhalten. Immerhin scheint die türkische Wirtschaft von der EU abhängiger denn je.

Erdogan will in Deutschland vor seinen Landsleuten sprechen. Bild: dpa

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat nach knapp drei Jahren wieder den Vorsitz der Regierungspartei AKP übernommen und seine Machtbasis damit ausgebaut. In der EU fehlt Erdogan diese Macht jedoch. Am Donnerstag nimmt der türkische Präsident am Nato-Gipfel in Brüssel teil, am selben Tag will er mit den EU-Spitzen Donald Tusk und Jean-Claude Juncker zusammenkommen.

Türkei am Ende: Bittet Erdogan in Brüssel um Hilfe?

Nach Erdogans Europa-Kritik und seinen Nazi-Vergleichen vor dem türkischen Referendum - zu dem die EU sich Glückwünsche an die Adresse des Präsidenten verkniffen hat - dürfte die Atmosphäre angespannt werden. Dabei benötigt die wirtschaftlich angeschlagene Türkei die Hilfe der EU wohl dringender als je zuvor.

Wie "Welt am Sonntag" berichtet, steht vor allem das Thema der Zollunion mit der EU auf der Agenda des Termins am Donnerstag in Brüssel. Demnach würde das Projekt nicht nur der Wirtschaft gut tun, sondern auch die Beziehung der Türkei zu Europa festigen. Die 1996 geschlossenen Zollunion sorgte schon damals für einen Aufschwung. "Die Zollunion mit der Europäischen Union ist das Rückgrat der türkischen Wirtschaft", sagt Erdal Yalcin vom Ifo-Institut München in der "Welt am Sonntag". "Ein plötzliches Ende würde das Land destabilisieren", warnt Yalcin.

Chaos bedroht Wirtschaft: Tourismus-Flaute erreicht historische Dimension

Bereits seit Jahren leidet das sonst so beliebte Urlaubsziel unter Terror und politischen Krisen. Allein im Januar erlebte die Türkei im Vergleich zum Vorjahr einen Einbruch von 58 Prozent, so der Deutsche Tourismusverband. Hinzu kommt die Tatsache, dass viele Unternehmen aufgrund der unsicheren Lage weniger investieren. Das hat zur Folge, dass auch die Arbeitslosigkeit steigt. Und auch der türkische Lira verliert immer mehr an Wert. Die türkische Wirtschaft braucht dringend Hilfe.

EU nutzt Zollunion als Druckmittel gegen Erdogan

Für die EU ist die Zollunion das größte Druckmittel gegen den türkischen Präsidenten. "Die EU muss jede Verhandlung über eine Erweiterung der Zollunion von Fortschritten bei Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit abhängig machen", mahnt Ska Keller, Vorsitzende der Grünen Fraktion im Europa Parlament in der "Welt am Sonntag".

Sollten türkische Unternehmen nicht nur Industriegüter, sondern auch landwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen zollfrei in die EU exportieren dürfen, dann könnte die Wirtschaftsleistung innerhalb von zehn Jahren um 13 Milliarden Dollar wachsen.

EU profitiert von der Handelsbeziehung

Von einer derartigen Einigung würde nicht nur die Türkei profitieren. Sollten sich Erdogan und die EU tatsächlich einigen können, dann würden auch andere Länder von den Handelsbeziehungen profitieren. Doch noch ist es nicht soweit. Als Mitglied der Zollunion darf die Türkei "Focus" zufolge keine eigene Handelspolitik betreiben. "Mit der Vertiefung der Zollunion versucht man auch, die Türkei für Nachteile zu entschädigen, die aus europäischen Handelsabkommen mit anderen Ländern entstehen können", sagt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel der "Wams".

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sba/jat/news.de/dpa

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