Arbeitsministerium informiert: Jeder vierte Deutsche geht mit Abschlägen in den Ruhestand

Bis zum Erreichen des Rentenalters arbeiten gehen kommt heute schon für 25 Prozent nicht mehr in Frage: Jeder vierte Rentner nimmt inzwischen Abschläge in Kauf, um sich früher in den Ruhestand verabschieden zu können. Gleichzeitig sind die Einkünfte älterer Menschen neuen Untersuchungen zufolge stärker gestiegen als die von jungen Leuten.

Inzwischen zieht sich jeder Vierte vorzeitig in den Ruhestand zurück und nimmt dafür auch Abschläge in Kauf. Bild: Stephan Scheuer / picture alliance / dpa

Fast jeder vierte Rentner geht vorzeitig mit Abschlägen in den Ruhestand. Von 888.521 Menschen, die 2015 ihre Altersrente angetreten haben, mussten 204.620 Abschläge in Kauf nehmen - dies entspricht rund 23 Prozent. Das geht aus der Antwort des Arbeitsministeriums auf eine Anfrage der Vizevorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, hervor, die der "Nordwest-Zeitung" (Freitag) vorliegt.

Diese Abschläge nehmen Rentner für früheren Ruhestand in Kauf

Im Schnitt ging es demnach bei diesen Rentnern um Abschläge für 25,5 Monate, was einem Minus von 7,65 Prozent entspricht. Für jeden Monat des Rentenbeginns vor Erreichen der Regelaltersgrenze verringert sich die Rente um 0,3 Prozentpunkte.

Studie: Einkommen älterer Menschen steigen stärker als von Jüngeren

Das Einkommen älterer Menschen ist nach einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in den vergangenen drei Jahrzehnten im Schnitt deutlich stärker gestiegen als das von Jüngeren. Demnach haben die verfügbaren Einkommen der 65- bis 74-jährigen in Westdeutschland seit Mitte der 1980er Jahre um durchschnittlich 52 Prozent zugelegt. Das geht aus einer Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Einkommen von Menschen unter 45 Jahren stiegen laut der Studie dagegen nur um 21 bis 31 Prozent. Für das Sozio-oekonomische Panel werden jährlich Tausende Haushalte in Deutschland befragt.

25 Prozent Zuwachs: So steigt das Einkommen älterer Menschen in Deutschland

Allein seit der Wende wuchsen die Einkommen der Älteren laut der Studie um 25 Prozent, die der Jüngeren nur um zehn Prozent. Dennoch zeige sich gerade in den vergangenen Jahren auch ein wachsendes Armutsrisiko für Menschen im Ruhestand, so das IW.

Fand sich 1984 noch knapp ein Drittel der Ruheständler im untersten Einkommensdrittel wieder, waren es 2014 nur noch 19 Prozent. Dafür leben immer mehr Ältere im mittleren Einkommensbereich. Grund dafür sind aber nicht etwa steigende Rentenniveaus. 1970 lag das Rentenniveau noch bei 55,2 Prozent des durchschnittlichen Bruttogehalts - 2015 waren es nur noch 47,7 Prozent.

Einkommensentwicklung aktuell: Altersvorsorge wird immer wichtiger

Stattdessen spielt private und betriebliche Altersvorsorge eine stärkere Rolle. Auch die Tatsache, dass mehr Frauen arbeiten, wirkt sich aus. Männer trugen demnach in den 1980er Jahren in Westdeutschland rund 83 Prozent zu den gesetzlichen Renten eines Haushalts bei. Bis 2014 sank ihr Anteil auf 71 Prozent. Ferner leben weniger Menschen im Alter allein als noch Mitte der 1980er Jahre.

Die Gruppe der Ärmsten ist dabei geringer als in anderen Altersgruppen. Der Anteil derjenigen, die im Alter eine Grundsicherung im Alter beziehen, habe sich zwar zwischen 2005 und 2015 von 2,2 auf 3,1 Prozent erhöht. Dabei sei aber nicht klar, ob es wirklich mehr bedürftige Rentner gebe als früher oder ob Rentner heute nur häufiger die Grundsicherung in Anspruch nehmen, als es zu Zeiten der Sozialhilfe der Fall war, so die Autoren. Unter den Jüngeren im Alter unter 65 Jahren sind aber inzwischen fast zehn Prozent auf Grundsicherung angewiesen. Diese Entwicklung sei problematisch. Denn die These, dass eine Armutsgefährdung im Erwerbsleben zu einem Armutsrisiko im Alter führe, liege nahe.

Studie zeigt, wie sich das Armutsrisiko im Alter entwickelt

Schon jetzt zeige sich bei den Älteren seit dem Jahr 2000 ein leichter Anstieg des Armutsrisikos. Der sei hauptsächlich auf einen Anstieg bei den 65- bis 74-jährigen in Ostdeutschland zurückzuführen. Den Grund hierfür sehen die Autoren darin, dass inzwischen mehr Menschen ins Rentenalter kommen, bei denen Erwerbszeiten vor der Wende weniger ins Gewicht fallen. Denn die in der ehemaligen DDR erworbenen Rentenansprüche und Beschäftigungszeiten seien zuvor großzügig angerechnet worden. Trotz dieser Entwicklung liege das Armutsrisiko bei den älteren Altersgruppen nach wie vor unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

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loc/news.de/dpa

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