Vom Hype zurück auf Normalmaß: Darum rückt das Kanzleramt für Martin Schulz in weite Ferne

Alles fing so schön an: Martin Schulz war ein unverbrauchtes Gesicht in der Bundespolitik und obendrein der Erlöser einer dahinsiechenden SPD. Doch nun ist es nach einer kurzen Phase des Umfragehochs wieder vorbei mit dem "Schulz-Hype" und der Kanzlerkandidat auf Normalmaß zurückgestutzt. Von den Wählern, aber auch von Politikbeobachtern.

Martin Schulz kann Kanzler. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass er es auch wird, schwindet. Das liegt auch an seinem Wahlkampfmotto. Bild: Federico Gambarini/dpa

Nach der Ablösung des beim Wähler eher unbeliebten Parteichefs Sigmar Gabriel und der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl am 24. September, brach der sogenannte "Schulz-Hype" los: Die SPD kam nach Jahren im Umfragetief wieder auf Werte von über 30 Prozent Zustimmung. Über 16.000 Menschen traten in die Partei ein - ein rasantes Mitgliederwachstum.

Doch nun scheint vorerst Schluss zu sein: Eine aktuelle Insa-Umfrage sieht die Sozialdemokraten acht Punkte hinter der Union (27 Prozent, CDU: 35 Prozent). Im stern-RTL-Wahltrend verliert Martin Schulz auch im direkten Vergleich mit Kanzlerin Angela Merkel an Zustimmung: 48 Prozent würden, wenn sie denn könnten, die derzeitige Amtsinhaberin wählen, nur 27 Prozent ihren Herausforderer.

"Schulz-Hype" ist vorbei: Regierungswechsel im September immer unwahrscheinlicher

Und vielleicht noch schlimmer: Der Rückhalt in der eigenen Partei beginnt zu bröckeln. Nur noch 67 Prozent der SPD-Anhänger würden aktuell für Schulz stimmen. Das sind laut "stern" sieben Punkte weniger als in der Vorwoche.

Ein Regierungswechsel unter der Führung der SPD im September wird somit immer unwahrscheinlicher, der "Schulz-Hype" ist definitiv verpufft. Die Landtagswahlen im Saarland (29,6 % für die SPD) und in Schleswig Holstein (27,2 %) haben diesen Umfragen-Abwärtstrend auch in der Realität bestätigt: Die SPD blieb jeweils deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Nordrhein Westfalen: Bei der NRW-Wahl droht weiterer Machtverlust für die SPD

An diesem Sonntag (14.05.2017) droht in Nordrhein-Westfalen, wo Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) seit 2010 regiert, der nächste Stimmenverlust: Einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap vom 23. April 2017 zufolge liegen SPD und CDU hier, im ehemaligen SPD-Stammland, mit 34 Prozent mittlerweile gleichauf, Krafts Koalitionspartner, die Grünen, sehen die Demoskopen dahinsiechen bei 6 Prozent.

Die sogenannte "kleine Bundestagswahl" im bevölkerungsreichsten Bundesland gilt als wichtigster politischer Stimmungsmesser vor den bundesweiten Wahlen am 24. September. Ein weiterer Machtverlust hier könnte das Ende für Martin Schulz' begonnenen Langstreckenlauf ins Kanzleramt bedeuten, sollte sich Krafts Herausforderer Armin Laschet (CDU) durchsetzen.

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Projektionsfigur Martin Schulz

Nun wird immer klarer, dass die Figur Martin Schulz zu Beginn vor allem eine Projektionsfläche gewesen ist. Für diejenigen, die sich nach bald 12 Jahren Merkel-Kanzlerschaft nach einem Wechsel sehnen. Aber auch für diejenigen, die nach dem Aufstieg der AfD, des angestrebten Brexits und der Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten sich (re-)politisiert haben.

Auch das Verhältnis der Politikbeobachter zum sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten scheint sich "rationalisiert" zu haben, nachdem die "Leitartikel wochenlang wie Sonntagspredigten" klangen, wie es auf "Zeit Online" zuletzt formuliert wurde.

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