Bundeswehrsoldat unter Terrorverdacht: Bundesregierung räumt Fehler bei Prüfung von Asyl-Entscheid ein

Ein Oberleutnant der Bundeswehr steht unter Terrorverdacht. Die Ermittlungen zu Motiven, Hintergünden und Vorgeschichte allerdings bringen Skurriles ans Tageslicht.

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen. Bild: dpa

Nach der Festnahme eines als Flüchtling registrierten und unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehrsoldaten harren noch zahlreiche Fragen der Aufklärung. Die Ermittler gehen in diesem äußerst ungewöhnlichen Fall von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Der Fall sei rätselhaft, sagte der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg der Deutschen Presse-Agentur. Der Oberleutnant habe mit dem Asylverfahren einen "Riesenaufwand betrieben", konstatierte der Kriminalpsychologe. "Und das ist ja auch riskant", sagte Egg. "Das bleibt eigenartig."

Bundeswehr-Soldat plante wohl schwere staatsgefährdende Straftat

Der am Mittwoch im unterfränkischen Hammelburg festgenommene 28 Jahre alte Oberleutnant war erstmals vor fast drei Monaten auf dem Flughafen Wien aufgefallen, weil er eine Pistole in einer Toilette vor den Sicherheitskontrollen auf dem Flughafen versteckt hatte. Es bestehe der Verdacht, dass er mit der Waffe eine schwere staatsgefährdende Straftat geplant habe, berichtete die Staatsanwaltschaft in Frankfurt, ohne etwas über mögliche Anschlagsziele sagen zu können.

Offenbacher Soldat bezog neben Sold auch Geld für Flüchtlinge

Den Ermittlungen zufolge hatte sich der Offenbacher Ende Dezember 2015 bei der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen unter falschem Namen als syrischer Flüchtling ausgegeben. Die Behörden schöpften dem Anschein nach bei der Registrierung keinen Verdacht. Anschließend erhielt er eine Unterkunft in einem Flüchtlingsheim und bezog als Asylbewerber mit eingeschränktem Schutzstatus neben seinem Sold weiteres Geld unter falschem Namen.

Identitäten von Asylsuchenden wurden nicht überprüft

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte die nachträgliche Überprüfung von Asylbescheiden. Dies sei aus Sicherheitsgründen nötig, sagte Herrmann der "Welt" (Freitag) und verwies auf Fälle, in denen die Identität der Asylsuchenden nicht eindeutig festgestellt werden konnte. Der jetzt aufgedeckte Fall sei auch "ein makabrer Beleg, dass seit 2015/2016 zeitweise Asylbewerber ohne ernsthafte Prüfung ihrer Identität anerkannt wurden", sagte er.

Soldat unter Terrorverdacht: Bundesregierung räumt Fehler ein

Wie "Focus Online" berichtet, habe die Bundesregierung im Zusammenhang mit dem als syrischer Flüchtling registrierten Bundeswehrsoldaten Fehler eingeräumt. Ein Sprecher des Innenministeriums betonte am Freitag, dass das BAMF und das Bundesinnenministerium "jetzt jeden Stein umdrehen werden", um herauszufinden, wie es zu einer solchen Fehlentscheidung kommen konnte. Für eine "anlasslose Überprüfung aller Asylbescheide" gebe es aber keine rechtliche Grundlage, fügte er hinzu.

Soldat belegte Arabisch-Kurs und war in rechtsextremer WhatsApp-Gruppe aktiv

Der in Frankreich stationierte Soldat sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Nach Informationen der Zeitungen der Funke Mediengruppe soll der Terrorverdächtige einen Arabisch-Kurs belegt haben und in einer rechtsextremen WhatsApp-Gruppe aktiv gewesen sein. Auch gegen einen 24-jährigen mutmaßlichen Komplizen erging Haftbefehl.

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gea/news.de/dpa

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