28.01.2017, 09.07 Uhr

Misshandlungen in Elite-Kaserne: Sadistische Sex-Rituale bei der Bundeswehr

Sie wollten Elite-Kämpfer werden, doch bei der Ausbildung sollen sie gedemütigt worden sein: Junge Soldaten in Baden-Württemberg. Erste Ermittlungen bringen Erschreckendes zutage.

Ein Misshandlungsskandal erschüttert die Bundeswehr. Bild: dpa

Misshandlungen, Mobbing, Freiheitsberaubung und sexuelle Nötigung: In einem Ausbildungszentrum der Bundeswehr im baden-württembergischen Pfullendorf gehen Bundeswehr und Justiz Hinweisen auf schwerwiegendes Fehlverhalten nach. Sieben Soldaten wurden vom Dienst suspendiert und sollen fristlos entlassen werden, wie die Bundeswehr mitteilte. Daneben ordnete der Generalinspekteur mehrere Disziplinarverfahren und Versetzungen an. An dem Standort gibt es nun zudem eine intensive Dienstaufsicht.

Ursula von der Leyen zum Missbrauchsskandal

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) reagierte empört. "Die Vorgänge in Pfullendorf sind abstoßend und sie sind widerwärtig", sagte die CDU-Politikerin am Freitagabend. Die Vorgänge seien auch beschämend für alle Soldaten, die respektvoll mit ihren Kameraden umgingen und das Ansehen der Truppe hochhielten.

"Sexuell-sadistische Praktiken" bei der Bundeswehr

"Spiegel online" hatte zuerst über die Vorfälle berichtet. Demnach gab es in Pfullendorf unter anderem "sexuell-sadistische Praktiken" sowie Gewaltrituale. Im Oktober 2016 habe sich ein weiblicher Leutnant an den Wehrbeauftragten und die Ministerin gewandt. Sie habe unter anderem beschrieben, dass sich Rekruten bei der Ausbildung vor den Kameraden nackt ausziehen mussten. "Vorgesetzte filmten mit, angeblich zu Ausbildungszwecken", schreibt "Spiegel online". Die Rede ist auch von medizinisch unsinnigen, sexuell motivierten Übungen.

Strafanzeige gegen mehrere Soldaten

Die Bundeswehr schaltete auch die Staatsanwaltschaft Hechingen ein und stellte Strafanzeige gegen mehrere Soldaten, wie ein Sprecher der Anklagebehörde mitteilte. Es geht laut Bundeswehr um den Verdacht der Freiheitsberaubung, gefährlichen Körperverletzung, Gewaltdarstellung und Nötigung. Von der Leyen sagte, es seien bereits Konsequenzen gezogen worden und weitere sollten folgen. Die Vorgänge würden "mit aller Härte aufgeklärt", versprach sie.

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