Holocaust Gedenktag 2017: Deutschland erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee Auschwitz. Seit 1996 wird an diesem Tag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Dass ein AfD-Politiker jetzt eine Debatte über die deutsche Erinnerungskultur angestoßen hat, stößt vielen übel auf.

Allein im KZ Buchenwald wurden während des Zweiten Weltkriegs systematisch mindestens 56.000 Menschen ermordet. Bild: Sebastian Kahnert/dpa

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat dazu aufgerufen, die Erinnerung an die Schrecken der Nazi-Herrschaft wach zu halten. "Gerade angesichts des wachsenden Rechtspopulismus und einer immer diffuseren rechtsextremistischen Szene in Deutschland sowie eines immer komplexer werdenden Antisemitismus ist das Gedenken wichtiger denn je", erklärte der Zentralrat am Donnerstag - einen Tag vor dem 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. "Die jüdische Gemeinschaft vertraut darauf, in Deutschland ein sicheres Zuhause zu haben", betonte der Zentralrats-Präsident Josef Schuster.

Holocaust Gedenktag 2017: Gedenken an jüdische Opfer in Auschwitz

Mit zahlreichen Veranstaltungen in Deutschland und Europa wird am Freitag der Opfer der nationalsozialistischen Massenmorde gedacht. Auf dem Gelände des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau versammeln sich Überlebende des Konzentrationslagers, das am 27. Januar 1945 von Soldaten der Roten Armee befreit worden war. Unter der Herrschaft der Nazis waren dort mindestens 1,1 Millionen Menschen vergast, zu Tode geprügelt oder erschossen worden, oder an Krankheiten und Hunger gestorben.

Deutscher Bundestag plant Gedenkstunde am Holocaust Gedenktag 2017

Im deutschen Bundestag wird am Morgen in einer Gedenkstunde der Millionen Opfer des Nazi-Regimes gedacht. Auch in vielen Landtagen kommen die Abgeordneten im Gedenken an den Holocaust zusammen.

Der Bayerische Landtag ist am Freitag zu Gast bei der Gedenkfeier im Senat in Prag, der zweiten Kammer des tschechischen Parlaments. Anschließend werden am ehemaligen Krematorium in Leitmeritz Kränze niedergelegt. In dem Außenlager des oberpfälzischen KZ Flossenbürg starben mehr als 4500 Menschen. Zum Abschluss erinnern Politiker und ein Zeitzeuge im ehemaligen Ghetto Theresienstadt an den deutschen Mord an den Juden Europas.

Tschechen und Bayern gedenken gemeinsam der Opfer des Holocaust

Erstmals haben Bayern und Tschechien am internationalen Holocaust-Gedenktag gemeinsam der Opfer gedacht. Eine Delegation des Münchener Landtags nahm am Freitag an der Feierstunde im Senat in Prag teil. Auf dem Programm standen Kranzniederlegungen im ehemaligen KZ-Außenlager Leitmeritz, das dem oberpfälzischen KZ Flossenbürg angegliedert war, sowie in der Gedenkstätte Theresienstadt.

Die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) wertete das gemeinsame Erinnern als "große Geste der Versöhnung". Jahrzehntelang hatte der Streit um die Nachkriegsvertreibung der Sudetendeutschen die Beziehungen zwischen München und Prag überschattet. Während der Nazi-Herrschaft waren mehr als 81.000 Juden aus dem "Protektorat Böhmen und Mähren" deportiert worden; nur rund 10.500 überlebten den Holocaust.

KZ-Gedenkstätte erteilt Höcke Hausverbot

Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald hat dem umstrittenen Chef der Thüringer AfD-Landtagsfraktion, Björn Höcke, Hausverbot erteilt. Höcke wurde von einem Mitarbeiter bei der Zufahrt zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus gestoppt. Er händigte ihm das schriftliche Verbot aus. Höcke akzeptierte diese Entscheidung der Gedenkstätte und fuhr wieder ab. Nach Angaben des Gedenkstättenmitarbeiters kritisierte Höcke, dass ein Tag, der dem Gedenken gewidmet sei, zur politischen Auseinandersetzung um seine Person missbraucht werde.

Mitarbeiter der Gedenkstätte waren an mehreren Zufahrten postiert. Polizeibeamte standen in Bereitschaft, falls Höcke dem Hausverbot nicht gefolgt wäre. Die Gedenkstättenleitung hatte dem Rechtspopulisten bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass er wegen seiner Forderung nach einer 180-Grad-Wende in der Erinnerungskultur beim Gedenken für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem ehemaligen Lagergelände unerwünscht sei.

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