Politisches Chaos nach Trump, AfD und Pegida: Experte sagt Untergang der westlichen Welt durch Eliten voraus

Die Welt geht vor die Hunde. So scheint nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten wohl Vielen zumute zu sein. Glaubt man einem renommierten US-Wissenschaftler, so sieht es tatsächlich finster für den Westen aus: Die Wahl Trumps scheint nur eine Facette einer bereits seit Längerem andauernden sozialen Spaltung zu sein, welche durch die Eliten der Gesellschaft vorangetrieben wird. In den nächsten Jahren könnten wir einen Höhepunkt politischer Gewalt erleben.

Werden wir in den 2020ern einen Höhepunkt der politisch motivierten Gewalt erleben? Das glaubt zumindest Peter Turchin, ein renommierter Wissenschaftler, aus den USA. Bild: Ian Langsdon/EPA/dpa

Der russisch-amerikanische Sozialwissenschaftler Peter Turchin hat den Untergang der westlichen Welt, wie wir sie kennen, im Laufe der nächsten Jahren prognostiziert: "Mein Modell legt den Schluss nahe, dass soziale Unruhen und politische Gewalt ihren Höhepunkt in den 2020er Jahren erreichen könnten", schrieb Turchin in einem Artikel für die Wissenschaftsplattform "Phys.org" am 4. Januar 2017.

Peter Turchin: Mathematische Untersuchung der Gesellschaft mithilfe der Kliodynamik

Turchin, der derzeit an der University of Connecticut lehrt, hatte über mehrere Jahre hinweg die historische Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika mithilfe der Forschungsdisziplin der sogenannten Kliodynamik mathematisch analysiert. Diese ermittelt zwar nicht, ob bestimmte Ereignisse in der Entwicklung einer Gesellschaft eintreten, berechnet jedoch einen langfristigen Trend. Dabei wurden Faktoren wie Einkommen, Ungleichheit, Wohlstand, politische Fragmentierung und Regierungskrisen untersucht. Was Turchin dabei herausfand, alarmierte ihn.

Negativtrend 1: Kluft zwischen Arm und Reich wird weiter wachsen

Sicher ist vor allem eines: Die Anzahl reicher Menschen wird weiter steigen und die Kluft zwischen Arm und Reich sich vergrößern. Eine konkrete Manifestation des Trends, den Turchin ausgemacht zu haben meint, ist die Wahl des designierten 45. US-Präsidenten Donald Trump (70). Er sieht in ihr eine Bestätigung für seine Theorie: "Obwohl die Wahl vorüber ist, sind die strukturellen Kräfte, die uns auch die gegenwärtige Krise beschert haben, keinesfalls verschwunden. Wenn überhaupt, scheint sich der Negativ-Trend zu beschleunigen."

Negativtrend 2: Zersplitterung des politischen Spektrums und Radikalisierung der Parteien

Eine zweite Facette dieses Negativtrends ist nach Turchin eine Fragmentierung der politischen Parteien: So sei derzeit etwa die Republikanische Partei dabei, sich in drei nur schwer miteinander zu vereinbarende Strömungen zu spalten - in die "traditionellen Republikaner", die "Tea Party"-Fundamentalisten und die "Trump-Populisten". Ähnliches gelte jedoch auch für die Demokraten. Wer Turchings Analyse liest, wird unweigerlich Parallelen zu den politischen Entwicklungen in Europa und insbesondere Deutschland erkennen. Stichworte: CDU - AfD - Pegida.

Negativtrend 3: Eliten reproduzieren sich und spalten die Gesellschaft

Neben der Wahl Donald Trumps und der Fragmentierung der Parteien kommt für den Experten jedoch dem, was er "Eliten-Überproduktion" nennt, eine Schlüsselrolle für die Wellen politischer Gewalt im Verlauf der Geschichte zu: Bei wachsender Ungleichheit vergrößere sich die Anzahl der Wohlhabendsten einer Gesellschaft. Die viel diskutierten "1 Prozent" der US-Gesellschaft seien in Wirklichkeit dabei, "2 Prozent oder sogar noch mehr" zu werden.

Dies liege daran, dass sich reiche Amerikaner im Vergleich zum Rest der Bevölkerung deutlich häufiger politsch engagierten - häufig mit dem Ziel, ihren Reichtum durch entsprechenden politischen Einfluss auf Dauer zu zementieren. Das treibe jedoch die Spaltung einer Gesellschaft stetig voran. "Eliten-Überproduktion" sei daher bei weitem die wichtigste Triebfeder für die Zunahme sozialen Unfriedens in einer Gesellschaft.

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lid/grm/news.de

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