Terror-Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt: Deutsche wollen mehr Video-Überwachung

Der mutmaßliche Attentäter Anis Amri lebt nicht mehr - und hat die Antworten auf viele offene Fragen mit in den Tod genommen. Nach dem Berliner Anschlag wünschen sich viele Deutsche mehr Videoüberwachung.

Berlin trauert um die Opfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt vor der Berliner Gedächtniskirche. Bild: dpa

Der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt verstärkt bei vielen Deutschen den Wunsch nach mehr Sicherheitsmaßnahmen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur sprechen sich 73 Prozent dafür aus, die Polizeikräfte aufzustocken.

Attentäter Anis Amri tötet 12 Menschen bei Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt

Der 2015 nach Deutschland gekommene Tunesier Anis Amri war nach Überzeugung der Ermittler der Mann, der am Montagabend mit einem gestohlenen Sattelzug in den Weihnachtsmarkt gerast war. Dabei starben 12 Menschen, 53 wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Der 24-jährige Amri war nach französischen Medieninformationen über Lyon und Chambéry nach Italien gelangt, wo er am Freitag bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet wurde.

Eine große Mehrheit von 60 Prozent der Deutschen ist der Umfrage zufolge für eine stärkere Videoüberwachung öffentlicher Räume. Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche wurde nicht von der Polizei mit Kameras observiert. Der rot-rot-grüne Berliner Senat will die Videoüberwachung derzeit nicht ausweiten.

Thomas de Maizière: Videoüberwachung "dringend" überdenken

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte den Senat in der "Bild am Sonntag" auf, seine Haltung zur Videoüberwachung "dringend" zu überdenken. Die Berliner Innenverwaltung will sich nicht unter Druck setzen lassen. Nach dem Anschlag sollten erst die Ermittlungen zu Ende geführt werden, sagte der Sprecher von Innensenator Andreas Geisel (SPD), Martin Pallgen, am Sonntag.

Die Ermittlungen laufen auch an den Weihnachtsfeiertagen mit Hochdruck. Unter anderem soll geklärt werden, ob der mutmaßliche Attentäter Anis Amri ein Unterstützernetzwerk, Mitwisser oder Gehilfen hatte.

Lesen Sie auch: Mögliche Unterstützer von Anis Amri festgenommen.

In Tunesien protestierten Hunderte Menschen gegen die Rückführung mutmaßlicher Extremisten in das nordafrikanische Land, wie lokale Medien berichteten. Bilder zeigten Menschen mit Plakaten, auf denen unter anderem "Nein zu Terrorismus" stand. Der Protest am Samstag wurde demnach von verschiedenen zivilen Gruppen organisiert.

Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche bis 1. Januar 2017 geöffnet

Der Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche soll wie geplant bis zum 1. Januar geöffnet bleiben. Am 31. Dezember werde es noch einmal einen Gottesdienst geben, sagte Klaus-Jürgen Meier, der Vorstandsvorsitzende der AG City und Vertreter des Handels.

Weil Amri als abgelehnter Asylbewerber und "Gefährder" aus dem Visier der deutschen Behörden verschwunden war, kommen aus der Politik Rufe nach schärferen Gesetzen. Seine Abschiebung war gescheitert, weil er keinen Pass hatte. De Maizière bestritt ein allgemeines Versagen der Sicherheitsbehörden.

FOTOS: Eine Chronologie des Terrors Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
zurück Weiter Der Unglücksort, kurz nachdem der LKW in den Weihnachtsmarkt gerast ist. (Foto) Foto: picture alliance/Paul Zinken/dpa Kamera

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kad/news.de/dpa

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