Alternative für Deutschland: Wird die deutsche Wikipedia von der AfD unterwandert?

Derzeit zerfleischt sich die Community der deutschen Wikipedia angesichts einer strittigen Personalie: Anfang September traten drei Mitglieder des mächtigen Schiedsgerichts zurück, nachdem bekannt wurde, dass ein neues Mitglied der Instanz auch für die AfD aktiv ist.

Die Community der deutschsprachigen Wikipedia diskutiert derzeit über ein Grundproblem: Wie neutral kann jemand sein, der Mitglied der AfD ist? Bild: Markus Scholz/dpa

Nachdem bekannt wurde, dass im Schiedsgericht der deutschen Wikipedia ein Mitglied der deutschland/1/">Alternative für Deutschland sitzen wird, haben drei andere Mitglieder eine weitere Zusammenarbeit abgelehnt und sind zurückgetreten. Dies soll bereits am 6. September geschehen sein. Das berichtete "meedia.de" am Mittwoch.

AfD-Mitglied "Magister" in Wikipedia-Schiedsgericht gewählt - Rücktrittswelle

Drei von sieben Mitgliedern hätten ihre Ämter niedergelegt und ihren Rücktritt zum Teil mit persönlichen Gründen begründet. Ob diese persönlichen vielmehr politische Gründe gewesen sein könnten, ist derzeit noch unklar. Die Community diskutiert derzeit über die Personalie.

Der Nutzer "Magister" soll laut Diskussionsseite der Wikipedia aktives AfD-Mitglied "auf Kreis- beziehungsweise organisatorisch Landesebene" sein. "Magister" betont, dass er "kein Mitläufer" sei und dass er sein parteipolitisches Engagement strikt von seinem Agieren in der Community trenne. Nun ist er neben drei anderen Nutzern Mitglied des Schiedsgerichts.

Wer ist der Nutzer "Magister" bei Wikipedia?

"Magister" scheint sich, seinen bisherigen Beiträgen nach zu urteilen, vor allem für mittelalterliche Schlachten wie die der Deutschordensritter in Preußen und für Panzer der deutschen Wehrmacht zu interessieren. Stark beteiligt war er an den Artikeln zum "Deutschen Orden" und "Berchtesgarden". Nun wurde er zu einem neuen Mitglied des Schiedsgerichts ernannt.

Laut "Meedia" begründete eines der zurückgetretenen Mitglieder seine Entscheidung so: Es sei ein "moralisches Dilemma", wenn sie im Schiedsgericht "mit einem Funktionär einer Partei zusammenarbeite", "deren Programm wider die Grundprinzipien" der Wikipedia sei. Auch könne sie "nicht mit jemandem zusammenarbeiten", der explizit für "die Meinung einer rechtspopulistischen Partei" einstehe.

Versucht die Alternative für Deutschland, Wikipedia zu unterwandern?

Wikipedia hat den Anspruch, ein politisch neutrales Online-Lexikon zu sein, wobei sich dieses Lexikon mittlerweile vor allem durch die Länge der Artikel in Richtung einer Enzyklopädie zu entwickeln scheint. Das Schiedsgericht der Community wird angerufen, wenn sich die Autoren bei Detailfragen zu Artikeln nicht einigen können.

Nun diskutieren die Nutzer darüber, ob die AfD gezielt versuchen könnte, Einfluss auf die Arbeit der Wikipedia zu nehmen - und ob "Magister" zurücktreten muss.

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FOTOS: Alternative für Deutschland Der AfD-Aufstieg in Bildern

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lid/jat/news.de

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