Joachim Gauck in Kiew über die deutsche Schuld:    Joachim Gauck über die Monstrosität deutscher Taten

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck während einer Rede in der Nähe der Schlucht Babi Yar in Kiew, Ukraine, am 29. September 2016. Bild: Stepan Franko/dpa

Gauck dient die Erzählung als Parabel für die Monstrosität der deutschen Taten. "Etwas Besonderes, etwas Kostbares" nennt er Petrowskajas Schilderungen in seiner vorab verbreiteten Rede bei der Gedenkfeier am Abend. Weil sie den Opfern Gesicht, Namen und Gestalt zurückgebe. "Aus einer Ziffer in einer Todesstatistik wird Esther", sagt der Bundespräsident, der nach Babi Jar gekommen ist, um sein Haupt zu beugen vor den Opfern.

Die Literatur habe erreicht, was der Geschichtsschreibung in Deutschland, Russland und der Ukraine bis heute oft nur mühsam gelingen wolle, sagt Gauck: "Raum für ein gemeinsames Erinnern."

Uneingeschränktes Bekenntnis zur deutschen Schuld und zu deutscher Verantwortung

Der Bundespräsident scheint in Kiew auch an seinem Vermächtnis zu arbeiten - als Versöhner. Dazu gehört für ihn das uneingeschränkte Bekenntnis zur deutschen Schuld und zu deutscher Verantwortung für die Nazi-Verbrechen. Und als Konsequenz daraus zur Verantwortung für Menschenrechte weltweit.

Babi Jar, so sagt es Gauck, komme dabei als Erinnerungsort für den Massenmord an den Juden ein fester Platz zu. So wie Auschwitz als Symbol für das Töten in Nazi-Vernichtungslagern stehe, stehe die Schlucht in Kiew für das, "was dem industriellen Morden vorausging: das abertausendfache Töten durch Erschießen".

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Doch Gauck geht noch einen Schritt weiter: Er mahnt eine gemeinsame Erinnerungskultur der Deutschen, Juden, Ukrainer, Russen und Polen an. Eben der Täter und der Opfer: "Wir, die wir verstehen wollen, wie es dazu kommen konnte, dass unsere Väter und Großväter zu Mördern oder zu Opfern wurden, sind heute aufeinander angewiesen", sagt Gauck an diesem tiefschwarzen Ort deutscher Geschichte. Und ergänzt: "Antworten auf unsere Fragen werden wir nur gemeinsam finden."

Kiews Stadtoberhaupt Vitali Klitschko hatte am Morgen gemeinsam mit Vertretern der Kiewer Stadtverwaltung und Stadtratsabgeordneten Blumen an mehreren Denkmälern für die Opfer niedergelegt. Am Ort der Massaker soll nun eine Gedenkstätte gebaut werden.

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lid/news.de/dpa

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