Verhaftungen, Razzien, Grenzschutz: UN kritisieren Behandlung von Flüchtlingen in Bulgarien

Immer wieder machen Meldungen über unmenschliche Behandlungen von Flüchtlingen in Bulgarien die Runde. Nun haben sich die Vereinten Nationen zu den Verhältnissen geäußert. Bulgarien setzt indes auf Unterstützung aus Ankara in der Flüchtlingskrise.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Ra'ad Al Hussein, hat Bulgariens Umgang mit Flüchtlingen scharf kritisiert. Bild: dpa

Die Vereinten Nationen haben die Behandlung von Flüchtlingen in Bulgarien scharf kritisiert. Er habe große Zweifel an der Legalität der Praxis, Flüchtlinge ins Gefängnis zu sperren, die das Land illegal betreten oder verlassen, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Zeid Ra'ad Al Hussein, am Donnerstag in New York.

Zuvor hatte Al Hussein Bulgarien zum zweiten Mal innerhalb von acht Monaten besucht. Die Stimmung dort sei zunehmend gegen Flüchtlinge gerichtet, sagte er. "Die bulgarische Regierung unternimmt nicht genug, um diesem alarmierenden Trend gegenzusteuern - aus Sicht einiger unterstützt sie diese Intoleranz sogar."

Flüchtlingsproblem in Bulgarien: Sofia setzt auf Ankara

Trotz der verschärften Lage in der Türkei setzt Bulgarien indes in der Flüchtlingskrise weiterhin auf Ankara. "Wir müssen jetzt versuchen, mit der Türkei möglichst beste Beziehungen aufzubauen", sagte Ministerpräsident Boiko Borissow am Freitag in einem Interview des Fernsehsenders Nowa Telewisija in Sofia. Borissow beklagte die Stimmung in Österreich und in den Staaten der Visegrad-Gruppe - Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn - gegen die Türkei und den EU-Flüchtlingspakt mit Ankara.

"Wir stehen vor einer gewaltigen Krise zwischen der Türkei und der Europäischen Union", warnte er. Sollte die Türkei zum unsicheren Staat erklärt werden, wäre Bulgarien der erste sichere Staat auf der Migrantenroute, meinte Borissow. Dies würde nach seinen Worten die Rückkehr von 400.000 bis 500.000 Migranten, die sich in Europa aufhielten, nach Bulgarien oder Griechenland bedeuten.

Gülen-Anhänger übergeben: Biedert sich Bulgarien der Türkei an?

Nach der Schließung der Westbalkanroute für Flüchtlinge nach Westeuropa möchte Sofia durch verstärkten Grenzschutz und fast tägliche Razzien verhindern, dass eine neue Migrantenroute durch Bulgarien entsteht. Borissow bestritt, dass es sich bei der Übergabe eines mutmaßlichen Anhängers des Predigers Fethullah Gülen an die Türkei um einen "Deal hinter den Kulissen" mit Bulgarien handele.

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mie/jko/news.de/dpa

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