Von news.de-Volontärin Lisa Volkmann - 24.07.2016, 15.53 Uhr

Amoklauf in München am 22. Juli: Amoktat seit einem Jahr geplant - David Ali S. (18) stirbt durch Kopfschuss

In einer weiteren Pressekonferenz gab das Bayerische Landeskriminalamt am Sonntagnachmittag den neusten Stand der Ermittlungen zum Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum bekannt. Demnach hatte der Täter David Ali S. die Tat ein Jahr lang geplant.

Blumen und Kerzen vorm OEZ in München. Hier starben am Freitag neun Menschen bei einem Amoklauf. Bild: dpa

Am Sonntagnachmittag gaben der Präsident des Bayerischen Landeskriminalamtes, Robert Heimberger, sowie der Polizeivizepräsident und der Oberstaatsanwalt Münchens neue Details zur schrecklichen Amoktat im Olympia-Einkaufszentrum bekannt. Am Freitag hatte dort der 18-jährige David Ali S. neun Menschen erschossen und viele weitere verletzt. Der Amokläufer richtete sich nach der Tat selbst.

Neue Details zum Amoklauf in München: David Ali S. hatte Tat seit 1 Jahr geplant

Eine Sonderkommission aus 70 Beamten beschäftigt sich auf Hochtouren mit den Ermittlungen, heißt es. Nach ersten Sichtungen der persönlichen Gegenstände des Täters können die Ermittler zwar bereits ein grobes Bild von dem Schüler entwerfen - ein genaues Motiv gibt es allerdings bislang nicht.

So war die Tat seit rund einem Jahr geplant. Das geht aus den Daten des Computers von David Ali S. sowie aus Fotos seiner Digitalkamera hervor. Demnach besuchte er im vergangenen Jahr die Stadt Winnenden. Dort hatte ein Schüler im Jahr 2009 fünfzehn Menschen und sich selbst erschossen. S. schien fasziniert von dem Amoklauf, fotografierte die Tatorte. Zudem finden sich auf seiner Festplatte Daten zum Massenmord von Anders Behring Breivik, der am Freitag vor fünf Jahren 77 Menschen in Norwegen erschossen hatte, darunter viele Kinder und Jugendliche. Schon im Mai hatte S. das falsche Facebook-Profil angelegt, mit dem er potentielle Opfer am Tatabend zur McDonald's-Filiale lockte.

Psyche des Täters zeigt das Bild eines Amokläufers - keine politisch motivierte Tat

Die Polizei schließt eine politische Tat klar aus. Vielmehr zeichnet sich hier das Porträt eines klassischen Amokläufers ab. "Der Täter ist im Jahr 2015 zwei Monate lang in stationärer Behandlung gewesen, anschließend gab es eine ambulante Behandlung", so Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. S. habe an einer sozialen Phobie gelitten, bekam Angstzustände, wenn er in Kontakt mit anderen Menschen kam. Hinzu kamen Depressionen. Im Haus des Täters wurden Psychopharmaka gefunden, die dem jungen Mann zuzuordnen sind. Laut Polizei ist S. im Jahr 2012 gemobbt worden. Es kam auch zur Anklage der drei Täter. Ob dieser Fall aber ausschlaggebend für den Amoklauf war, wisse man noch nicht. Die Opfer aber habe David Ali S. willkürlich erschossen. Unter ihnen befinden sich weder Mitschüler oder gar ehemalige Peiniger des Täters, noch solche, die der seiner Facebook-Einladung folgten. Dass ein Großteil der Opfer einen Migrationshintergrund besitzt, führt LKA-Präsident Heimberger nicht auf eine gezielte Auswahl, sondern auf das Klientel in dieser Fastfood-Filiale zurück.

VIDEO: Todesschütze von München war "ein guter Mensch"
Video: AFP

Zur Debatte steht nach der Tat erneut die Rolle sogenannter Killerspiele bei derartigen Amokläufen. "Er war ein ausgeprägter Egoshooter-Spieler", so LKA-Präsident Heimberger über Ali S. Er habe Counterstrike gespielt, "ein Spiel, dass nahezu jeder Amokläufer bislang gespielt hat." Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte sich am Samstag bereits dazu geäußert und die Computerspiele mit verantwortlich gemacht. Das stieß besonders im Netz erneut auf herbe Kritik am Minister. "Die Nuller-Jahre haben angerufen. Sie wollen ihre Debatte zu den Ballerspielen zurück - und zwar von Herrn de Maizière", heißt es da bei Twitter. Zudem kritisieren viele Nutzer, dass der Minister die Nutzung dieser Spiele derart verallgemeinert. "Wenn Egoshooter aggressiv machen, dann müssten die IS-Terroristen ja viele davon gezockt haben", heißt es in einem Tweet.

FOTOS: Terror und Ausnahmezustand in München Schießerei am Olympia-Einkaufszentrum fordert Tote und Verletzte
zurück Weiter Polizisten mit Maschinenpistolen stehen in München am Hauptbahnhof und sichern das Gelände. (Foto) Foto: Andreas Gebert/dpa Kamera

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