Erdogans "Säuberung": Türkische Regierung verbietet Akademikern die Ausreise

Die "Säuberung" der türkischen Gesellschaft nach dem Putschversuch gegen Präsident Erdogan geht weiter. Nachdem es bereits die Justiz erwischte, müssen jetzt auch Akademiker um ihre Sicherheit fürchten. Tausende wurden entlassen. Das Land zu verlassen ist nicht mehr möglich.

Die "Säuberung" geht weiter. Nach dem gescheiterten Putschversuch hatte Erdogan ein hartes Vorgehen gegen die Putschisten angekündigt. Bild: dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan greift weiter durch. Nach dem gescheiterten Putschversuch vergangene Woche geht die Regierung nun auch gegen Akademiker vor. Wie "n-tv" unter Bezugnahme auf die Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, wurden die Universitäten der Türkei angewiesen, Auslandsreisen ihrer Mitarbeiter bis auf weiteres auszusetzen. Zudem sollen Wissenschaftler, die sich derzeit im Ausland befinden, zurückgerufen werden.

Erdogans "Säuberung": Regierung verbietet Akademikern die Ausreise

Der genaue Hintergrund für die Anordnung ist "n-tv" zufolge noch unklar. Die Universitäten sind jedoch ebenfalls dazu angewiesen, alle Mitarbeiter zu überprüfen, die Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen haben. Diesen hatte Erdogan als Drahtzieher des Putschversuchs bezeichnet. Die Bewegung wird von der türkischen Regierung als "terroristische Geheimorganisation" eingestuft.

Die Überprüfungen der Mitarbeiter sollen bis zum 5. August vorgelegt werden. Von dem Reiseverbot ausgenommen seien derzeit offenbar nur Forscher, deren Arbeit als "absolut notwendig" erachtet wird.

Nach dem gescheiterten Putschversuch: Bereits tausende Menschen inhaftiert und entlassen

Das Reiseverbot für Akademiker ist offenbar ein weiterer Schritt im Zuge des vereitelten Militärputsches. So wurden bereits vergangene Woche 2.800 angebliche Putschisten festgenommen und mehr als 2.700 Richter abgesetzt - fast ein Fünftel aller Richter in der Türkei. Am Dienstag entzog die Bildungsbehörde dann zehntausenden Lehrern vor allem an Privatschulen die Lehrberechtigung. Die Universitäten waren darüber hinaus aufgefordert worden, all ihre Dekane und Rektoren zu entlassen.

Laut Schätzungen von "n-tv" wurden seit dem Wochenende mehr "mehr als 7.500 Menschen inhaftiert, darunter 6.000 Soldaten. Tausende Polizisten und fast 3.000 Richter und Staatsanwälte wurden suspendiert."

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mie/lvo/news.de

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