Nach Anschlag auf Istanbuler Flughafen Atatürk: 13 Festnahmen nach Anschlag - Warum ist die Türkei immer Terrorziel?

Die Türkei versinkt im Strudel der Gewalt: Mit einem koordinierten Angriff auf den Atatürk-Airport in Istanbul hat der Terror in der Metropole neue Ausmaße erreicht. Die Regierung behauptet zunächst, Sicherheitslücken habe es nicht gegeben.

Der Anschlag auf den Flughafen Atatürk hat die ganze Türkei getroffen. Bild: dpa

Die Kampfansage ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die Türkei werde die Samthandschuhe ausziehen, kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan vor einem Vierteljahr an - und mit der "Eisenfaust auf die Köpfe der Terroristen" einschlagen. Doch die Terroristen schlagen zurück - mit Bomben in türkischen Metropolen, die in immer schnellerem Takt detonieren. Die Gewalt beim Nato-Partner eskaliert in einem atemberaubendem Tempo. Mit dem Angriff eines Selbstmordkommandos auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul hat der Terror in der Türkei eine neue Dimension erreicht.

FOTOS: Islamischer Staat Der IS-Terror in Bildern
zurück Weiter Dieser Screenshot eines Propagandavideos der IS-Miliz zeigt voll verschleierte Frauen mit Gewehren, die angeblich in der syrischen Stadt Al-Rakka operieren. (Foto) Foto: Syriadeeply.org / dpa Kamera

Im Zusammenhang mit dem Terrorangriff sind in der Türkei 13 Verdächtige festgenommen worden. Darunter seien drei Ausländer, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Einzelheiten wurden bisher nicht bekannt. Erste Hinweise deuten nach Regierungsangaben auf die Terrormiliz Islamischer Staat als Urheber des Anschlags hin. Der IS bekannte sich zunächst nicht zu der Tat.

Zeichen vor Terroranschlag standen auf Frieden und Aussöhnung

Dabei gab es unmittelbar vor dem Angriff ausnahmsweise mal gute Nachrichten aus der Türkei. Nach Monaten der Krise nähern sich Ankara und Moskau wieder an. Mit Israel söhnt sich die Türkei nach jahrelanger Eiszeit aus. Doch die Gewalt holte die Türken in der Nacht zu Mittwoch unerbittlich wieder ein.

Türkei mit vielen Brandherden: Kurdenkonflikt ähnelt Bürgerkriegssituation

Schon seit vergangenem Sommer weitet sich der Kurdenkonflikt im Südosten stetig zu einem neuen Bürgerkrieg aus. Für Türken und Ausländer in den Metropolen schien das weit weg, bis die Gewalt auch nach Istanbul und Ankara übergriff. Zugleich verschärfte die Türkei ihren Kurs gegenüber der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - nachdem Erdogan lange vorgeworfen worden war, extremistische Gruppen wie den ISin Syrien mindestens durch aktives Wegschauen gefördert zu haben.

Allein in Ankara und Istanbul seit Herbst 2015 über 200 Tote

Die blutige Terrorbilanz nur aus Istanbul und Ankara seit vergangenem Herbst: Weit über 200 Tote, darunter auch zwölf deutsche Urlauber, die ein IS-Selbstmordattentäter im Januar in Istanbuls Altstadt mit in den Tod riss. Der Terrorangriff auf den Atatürk-Airport mit Dutzenden Opfern markiert den vierten schweren Anschlag in Istanbul seit Jahresbeginn - und den zweiten in dem für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan.

Erst vor drei Wochen detonierte eine Autobombe in der Altstadt, wozu sich die TAK bekannte, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Diesmal richtet sich der Verdacht auf den IS: Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagt bei einem Besuch am Atatürk-Flughafen am frühen Mittwochmorgen, Hinweise deuteten darauf hin, dass die Terrormiliz für das Massaker verantwortlich sei.

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