29.06.2016, 13.05 Uhr

Nach dem Brexit-Votum: Fremdenhass in England auf rasantem Vormarsch

Die Briten haben sich für einen Ausstieg aus der EU entschieden. Der Brexit ist beschlossene Sache. Nach dem Votum zeigt sich nun eine besonders hässliche Fratze: Der Fremdenhass im Land nimmt zu - und trifft ALLE Ausländer, auch Europäer.

Der Hass auf Ausländer scheint nach dem Brexit-Referendum zügellos. Bild: dpa

Dass die Engländer für den Brexit abstimmt haben, ist nicht gerade ein Zeichen ihrer Weltoffenheit und Toleranz. Dass es um diese gar nicht gut bestellt ist, zeigt sich nun auf besonders hässliche Weise. Ausländer, darunter auch EU-Ausländer als Frankreich, Deutschland und Polen, beklagen Übergriffe - und die bleiben nicht nur verbal.

Schlimme Brexit-Folgen: Der Hass auf alle Ausländer wächst

Die Berichte über Stimmungsmache gegen Ausländer und sogar physische Übergriffe nehmen zu. Wie die britische Zeitung "The Guardian" schreibt, wurden in der englischen Stadt Huntingdon Kärtchen an Schulkinder mit polnischen Wurzeln verteilt. darauf wurden sie als Ungeziefer beschimpft, welches die EU verlassen sollte. Um den Kindern die Botschaft auch ja deutlich zu machen, kam die Hass-Parole samt polnischer Übersetzung daher.

Brexit-Befürworter schürten über Monate Hass auf Ausländer

Verwunderlich ist der neu entbrannte Rassismus in Großbritannien nicht. Schließlich haben in den letzten Monaten und Wochen Brexit-Befürworter mit Halbwahrheiten und rassistischen Äußerungen Stimmung gegen Ausländer gemacht. Nun ist der Hass gegen alle Ausländer von den Leinen gelassen worden - und trifft alle, die nicht britisch sind. Die Brexit-Anführer weisen die Schuld am massiven Fremdenhass nach dem Votum zurück. Fremdenhass scheint langsam aber sicher in England so salonfähig zu werden wie die Tea Time am Nachmittag. Michael Keith von der Oxford Universität sagt dem "Guardian": "Das Unaussprechliche wurde nicht nur aussprechbar, sondern eine Binsenweisheit."

Auch Deutsche werden Opfer des Ausländerhasses

Beim britischen Radiosender LBC rief eine weinende deutsche Frau an. Seit den 1970er Jahren lebt sie in England, nun sieht sie sich Anfeindungen ausgesetzt. Vor ihre Tür würde Hundekot abgelegt werden, Freunde wollen sie nicht mehr sehen. Die Deutsche, Karen, erzählt auch von dem Enkel einer Freundin, der zusammengeschlagen wurde, weil er eine ausländische Großmutter hat. Sie selbst sei seit drei Tagen nicht mehr vor die Tür gegangen - aus Angst.

Wichtige Etappen auf dem Weg zum EU-Referendum in Großbritannien
Brexit 2016
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