Jod-Tablettenausgabe in Mönchengladbach: Hier könnte eine deutsche Atom-Katastrophe drohen

Die Stadt Mönchengladbach will für den Fall eines Reaktorunglücks präventiv Jodtabletten an die Bevölkerung verteilen. Doch wie hoch ist die Gefahr eines atomaren Unfalls wirklich? Und vor allem: Wie viele AKWs sind in Deutschland noch immer am Netz? Und wo?

Das Atomkraftwerk Tihange am 21. Oktober 2015 bei Huy (Belgien). Wie steht es um die Gefahren eines Reaktorunglücks in Deutschland? Bild: Oliver Berg/dpa

Deutschland und die Atomkraft – eine schwierige Beziehung, und das nicht erst seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 und der übereilig beschlossenen Energiewende. Bis spätestens 2022 soll der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen sein. So will es die Bundesregierung.

Doch bis dahin sind nach Angaben des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland) noch acht Atommeiler in der Bundesrepublik in Betrieb, die erst nach und nach stillgelegt werden sollen: Grundremmingen B, C und das AKW Isar 2 in Bayern, Philippsburg 2 und das AKW Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg, Brokdorf in Schleswig-Holstein, sowie Grohnde und Emsland/Lingen-II in Niedersachsen.

Mönchengladbach rüstet sich für den Atom-Ernstfall: 133.000 Jod-Tabletten bestellt

Für einen möglichen Ernstfall in Sachen Atomunfall widmet sich derzeit die Stadt Mönchengladbach: Wie die "Rheinische Post" berichtet, plant die Kommune die vorsorgliche Ausgabe von Jod-Tabletten an berechtigte Bürger unter 45 Jahren.

Bislang war eine solche Präventivverteilung durch das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen untersagt. Doch nun ist sie bei Vorlage eines schlüssigen Konzepts offenbar zulässig: In Mönchengladbach soll sowohl die Abgabe im sogenannten "Ereignisfall", als auch die Vorabverteilung ermöglicht werden. Hierzu hat die Stadt bereits 133.000 Jod-Tabletten bestellt.

AKW Tihange in Belgien: Gefahr auch für Deutschland

Eine vorzeitige Einnahme von Jod-Tabletten kann im Ernstfall die Entstehung von Schilddrüsenkrebs durch Radioaktivität verhindern, da die Schilddrüse radioaktives Jod (Jod-131), das im Falle einer Atomkatastrophe freigesetzt werden würde, bei aufgefülltem Jodspeicher nicht aufnehmen würde.

Mönchengladbach liegt 112 Kilometer entfernt von dem umstrittenen Atommeiler Tihange im belgischen Huy. Im März 2014 wurde der aufgrund massiver Sicherheitsbedenken vorsorglich vom Netz genommen, doch seit Ende 2015 ist er wieder in Betrieb. Der Aufschrei vor allem in Deutschland war groß, und die Sorgen der Menschen vor Ort sind keinesfalls unberechtigt: Der Lokalpolitiker Karl Sasserath ("Die Grünen") sagte der "Rheinischen Post" damals, bei einem sogenannten "Fallout", also einem radioaktiven Niederschlag im AKW Tihange, wäre Mönchengladbach direkt durch atomare Strahlung betroffen.

Lesen Sie hier: Deutschland verlangt das Aus unsicherer AKWs in Belgien

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