Von Von news.de-Volontär Dominik Liebsch - 12.08.2018, 16.46 Uhr

Alexander Gauland privat:  Alexander Gauland - Vom Konservativen zum Rechtspopulisten?

Alexander Gauland spricht am 07. Oktober 2015 in Erfurt (Thüringen) auf einer Demonstration gegen die Asylpolitik. Bild: dpa

Ist Alexander Gauland ein Vertreter der Querfront-Bewegung?

Ministerpräsident a.D. Walter Wallmann, Gaulands früherer Chef aus Hessen, attestiert ihm in seiner Autobiografie einen "Mut zum Widerspruch in der Sache". Doch der gaulandsche Widerspruch ist nur auf den ersten Blick einer. Denn der Kulturpessimismus, den er vertritt, ist sowohl bei Linken wie auch bei Rechten anzutreffen, und in der Lage, beide Lager zu einen.

Einerseits steuert Gauland immer wieder Beiträge für umstrittene Publikationen wie "Compact" und die "Junge Freiheit" bei, hält Vorträge bei Burschenschaften. Andererseits schreibt er Ende der 1980er Jahre in Frankfurt auch für das alternative Stadtmagazin "PflasterStrand", dessen verantwortlicher Redakteur der heutige Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit ist, was auf Seiten seiner damaligen politischen Heimat, der CDU, kritisch beäugt wird. Selbst die linke "taz" schreibt einmal über ihn, er sei "ein kluger Konservativer, noch dazu diskursfähig" – eine "in Deutschland nicht allzu häufige Kombination." In seinen Brandenburger Wahlkämpfen – seit 1993 wohnt Gauland in Potsdam – warb er offensiv um die Stimmen von Wählern der "Linken".

Scharfe Kritik an Amerika und dem Kapitalismus, Verständnis für Russland und Putin

In der Außenpolitik bestimmt Gauland den Kurs seiner Partei und vertritt auch dort zum Teil linke Positionen: Er wettert gegen eine vermeintliche Dominanz der USA in Europa und in Deutschland, wirbt für ein positives Verhältnis zu Russland und Wladimir Putin. Der Turbokapitalismus angelsächsischer Prägung ist ihm ein Graus.

Gleichzeitig ist er gegen einen EU-Beitritt der Türkei und für eine "abendländische Identität" Europas. Obwohl er selbst einmal ein Flüchtling war, will er keine Parallelen zum Flüchtlingsstrom vor allem aus dem arabischen Kulturkreis sehen. Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg sagt er im August 2015: "Wir waren Deutsche. Auch die DDR-Deutschen waren Deutsche." Das Grundgesetz habe allen Deutschen die gleichen Lebensverhältnisse und den gleichen Rechtsstaat garantiert. Für die heutigen Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, gelte das jedoch nicht – diese seien schlicht "Fremde."

Alexander Gauland: Vom Konservativen zum Rechtspopulisten?

Aufgrund solcher Aussagen gilt der promovierte Jurist und Protestant, der, in Tweedsakko und Cordhose gekleidet, in den vergangenen Jahrzehnten als konservativer, jedoch besonnener Intellektueller auftrat, in den deutschen Medien als Rechtspopulist - in einer Reihe mit zum Teil schrillen Parteikolleginnen Beatrix von Storch.

Des Öfteren betont er, am rechten Rand müsse auch in seiner Partei eine klare Linie gezogen werden, um Rechtsextreme auszugrenzen. Gleichzeitig relativiert er seine Aussagen immer wieder: "Sie gehen auf einer Demo eine Verbindung zu Menschen ein, die nicht so differenziert denken. Da mag eine Stimmung entstehen, die man als bedrohlich empfinden kann. Das können Sie nicht steuern", sagt er dem "ZEITmagazin" im Februar 2016.

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