Von news.de-Volontärin Lisa Volkmann - 06.04.2016, 16.35 Uhr

"Wir sind rassistisch, aber...": Europa dreht sich nach rechts

Europa driftet nach rechts ab. Das wird nicht nur anhand von AfD-Wahlergebnissen oder wöchentlicher Pegida-Demos klar. Die Doku "Rechts Zwo Drei" zeigte eindrucksvoll, wie Rassismus in unseren Alltag kriecht.

Auf die Flüchtlingskrise reagieren besorgte Bürger mit Wut - aus Angst. Bild: dpa

"Wir sind nicht rassistisch, aber..." Auf diese Formulierung folgt immer eine rassistische Aussage. Punkt. Da machen auch Dresdner Rentner keine Ausnahme, die sich als besorgte Bürger einer Angstversammlung vor dem anstehenden Bau einer Flüchtlingsorganisation anschließen.

Europa driftet nach rechts ab

Angst: Das ist das Stichwort in der Flüchtlingssituation, in der sich Europa befindet. Das zeigte auch die Arte-Doku "Rechts Zwo Drei" am Dienstag eindrucksvoll. Darin wird vor allem eins deutlich: Angst prägt die erhitzten Gemüter der besorgten Bürger. Angst vor Veränderung. Denn die Furcht vor allem, was fremd ist, ist ein Urinstinkt des Menschen. "Sie steckt in jedem von uns", erklärt Soziologe Harald Welzer. "Überall wo sie keine Fremden haben, da ist die Angst vor Fremden am größten", heißt es in der Arte-Sendung.

Diese Angst lässt sich aber kaum rational begründen. Die gebräuchlichsten Reaktion sind Hass und Wut. Und dafür braucht man als besorgter Bürger eben einen Sündenbock. Wie wäre es mit Angela Merkel? Der EU? Oder den Asylsuchenden selbst? Die EU lässt Fremde rein - und ein ganzer Kontinent driftet immer weiter nach rechts ab. Denn Integration ist eben nicht von heute auf morgen getan, es ist ein langwieriger Prozess. Oder wie es ein befragter Herr in der Dokumentation zusammenfasst: Wenn du ein Pferd im Stall hast und eine Kuh dazu stellst, dann wird die Kuh auch nach Jahren nicht wiehern, sondern weiter "muh" machen.

In einem Paralleluniversum: Stellen Sie sich vor, Sie müssten jetzt aus Deutschland fliehen

Die sollen sich erst um die eigenen Armen kümmern, bevor sie sich um fremde Hilfesuchende kümmern. Das ist der allgemeine Tenor. Doch haben Fremde, die nach Hilfe suchen, kein Recht auf eben diese Hilfe? Wie würde es wohl den Deutschen gehen, die im Falle eines Krieges hierzulande Schutz im Ausland suchen? Hätten wir die Hilfe verdient?

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lvo/news.de

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