US-Geheimdienst CIA: Verfügt der Islamische Staat über Chemie-Waffen?

Der Islamische Staat hat sich zu einer der größten Gefahren der Welt entwickelt. Mitten in den amerikanischen Vorwahlkampf platzt nun der Auslandsgeheimdienst CIA mit seiner Behauptung, die Terrororganisation stelle chemische Waffen her.

US-Marines am 26.3.2003 im Süden des Irak. US-Truppen stürzten im April 2004 das Regime von Saddam Hussein, das angeblich über Massenvernichtungswaffen verfügte. Bild: dpa

Der Islamische Staat (IS) ist eine weltweite Bedrohung. Wenn es etwas gab, auf das sich die politischen und militärischen Vertreter zahlreicher Länder dieser Erde bei der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar einigen konnten, dann das.

Längst kontrolliert die Terrororganisation nicht mehr nur große Teile des westlichen Iraks und des angrenzenden nordöstlichen Syriens. Durch das Schmieden von länderübergreifenden Allianzen breitet sie sich und mit ihr auch die radikal-islamistische Ideologie jenseits des ursprünglich geographisch angedachten Kalifats aus.

Länderübergreifende Allianzen mit Taliban und Boko Haram

Die sogenannten Tehreek-e-Taliban in Pakistan (TTP) verbündeten sich vor einem Jahr mit ihren Brüdern im Geiste und auch im Bürgerkriegsland Libyen gewinnt der IS zunehmend Unterstützer. Die Terrorsekte Boko Haram, die ebenfalls einen islamischen Staat in Nigeria und angrenzenden Ländern wie dem Tschad anstrebt, schloss sich durch einen Treueschwur dem IS an.

Es bedarf also keineswegs unmittelbaren Kontakts zu den Milizen, um sich mit ihnen zu verbünden oder in ihrem Namen Anschläge in der eigenen Heimat zu verüben. Denn vor allem über das Internet ruft das Netzwerk zum weltweiten Krieg gegen die Ungläubigen auf. Erst im Dezember letzten Jahres hatte ein Ehepaar in San Bernardino im US-Bundesstaat Kalifornien auf einer Weihnachtsfeier ein Blutbad mit 14 Toten angerichtet. Der Mann und seine Frau hatten sich durch die Propaganda der Gotteskrieger im Internet radikalisiert und beriefen sich auf den Islamischen Staat.

Nutzt der IS den Flüchtlingsstrom nach Europa?

Doch so einig sich die zahlreichen Gegner der Terrormiliz auch darin sind, dass diese eine globale Bedrohung darstellt, so uneins scheinen sie sich bisweilen in der Einschätzung ihrer Vorgehensweise zu sein. Dies betrifft etwa das Szenario, der IS könne den derzeitigen Flüchtlingsstrom gezielt ausnutzen, um Attentäter nach Europa zu schleusen. Der amerikanische Geheimdienstkoordinator James Clapper beispielsweise ist fest davon überzeugt: Die Miliz sei sehr geschickt darin, falsche Pässe für ihre Kämpfer herzustellen, sagte er bei einer Anhörung im US-Senat.

Ganz anders hingegen bewertet diese Gefahr die europäische Polizeibehörde Europol: Deren Direktor Rob Wainright geht derzeit nicht davon aus, dass die Terroristen den Flüchtlingsstrom aus Syrien instrumentalisieren würden – dafür gebe es "keine konkreten Hinweise".

Bomben oder Bodenoffensive?

Beim handfesten Anti-Terrorkampf in Syrien und im Irak sind die USA ganz vorne mit dabei: Im August 2014 begannen amerikanische Streitkräfte mit dem Bombardement von IS-Stellungen im Irak, einen Monat später mit dem in Syrien. Im Herbst desselben Jahres setzten sich die USA an die Spitze einer internationalen Koalition gegen den IS, unterstützt unter anderem durch Kanada, Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Fast alle Länder dieser Koalition beteiligen sich überwiegend durch Waffen- und Techniklieferungen oder auch durch das Entsenden von Militärausbildern in die Kriegsgebiete an einem Kampf gegen den IS. Einen Einsatz von Bodentruppen hat allerdings bislang niemand ernsthaft ins Spiel gebracht, von einigen brachialen Wahlkampfparolen des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump einmal abgesehen. Denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung ist kriegsmüde, vor der Vereidigung des nächsten 45. Präsidenten Mitte Januar 2017 wird es ohnehin keine größer angelegte Bodenoffensive geben.

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