Stasi versteckte Wut-Briefe
Wir haben die Schnauze voll! Die geheimen Protest-Briefe der DDR-Bürger

Die DDR-Bürger sind für ihren Wunsch nach Freiheit vor über 25 Jahren auf die Straße gegangen. Ihrer Wut über den Sozialstaat haben sie aber immer wieder Luft gemacht, wie nun veröffentlichte Protest-Briefe zeigen, die die Stasi abfing - und ahndete.

Protestmarsch 1989 in Leipzig. Die DDR-Bürger wollten frei sein. Bild: Lehtikuva/dpa

Viele Bürger der DDR waren mit den Rahmenbedingungen, unter denen sie leben mussten, nicht einverstanden und unzufrieden. Ständig wurden sie bespitzelt, unangenehme Freigeister bedrängt, bedroht, terrorisiert.

Bis zur Wende keineswegs untätig: DDR-Bürger schreiben Protest-Briefe

Die DDRler durften nicht verreisen - und eine Banane bekam man nur alle Jubeljahre mal zu Gesicht. Darum stürmte man 1989 auf die Straße und kämpfte friedlich für Freiheit. Doch bis zu den Wendejahren haben die DDR-Bürger sich keineswegs wie brave Lämmchen benommen und die Hände in den Schoß gelegt. Nun sind geheime Stasi-Dokumente aufgetaucht, die belegen, dass der Ossi sich auch in einer Diktatur-Demokratie nicht alles gefallen lassen wollte.

Streng geheim: Stasi versuchte Kritik-Briefe zu verstecken

Der Berliner Politikwissenschaftler Siegfried Suckut hat 500 Protest-Briefe gesammelt, die die Stasi wohl am liebsten verschwinden lassen wollte. Zumindest waren sie streng geheim, denn Kritik an dem Sozialstaat wollte man keinesfalls zulassen. Suckut hat die Briefe in dem Buch "Volkes Stimmen: "Ehrlich, aber deutlich" - Privatbriefe an die DDR-Regierung" zusammengefasst.

Ihr Mistbienen! DDR-Bürger machen sich ordentlich Luft

Die "Bild" veröffentlicht nun einige Auszüge aus den Beschwerde-Briefen. Deutlich zu erkennen: Es wurde sich ordentlich Luft gemacht in den Briefen an den lieben Staat. Im Februar 1973 schreibt ein Ostberliner: "Mann, was haben wir nur verbrochen, dass wir hier leben! Wenn das der Sozialismus ist, na Prost Mahlzeit, dann lieber keinen sondern Kapitalismus. Ihr behandelt doch alle wie Verbrecher – Ihr Mistbienen." Und 1977 beschwert sich ein Bürger über das Reiseverbot: "Jeder Urwald-Affe kann hin wohin er möchte, nur der DDR-Bewohner erfreut sich eines herrlichen Eingesperrtseins."

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19 Kommentare
  • Frau Hu

    25.02.2016 20:46

    In den Hauptabteilungen II (Spionageabwehr) und XX sowie den analogen Abteilungen der Bezirksverwaltungen wurden Schriftenspeicher geführt. Diese beinhalten Schriftproben zu Reisekadern, Oppositionellen etc. In den Diensteinheiten Büro der Leitung wurden Ablagen zu Eingaben an verschiedene Staats-und Parteileitungen von Einwohnern im Zuständigkeitsbereich geführt. Es war die Aufgabe des Staatssicherheitsdienstes, Schreiber anonymer Eingaben (und auch politischer Losungen etc) ausfindig zu machen. Deshalb ist es schlüssig, dass sich diese in den Unterlagen des ehemaligen MfS finden lassen.

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  • Wächterrat

    16.02.2016 21:33

    Nachher ist man immer schlauer ! :)

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  • Peter Landgraf

    16.02.2016 19:32

    @Iason: Ich muss sagen, dieser Gedankengang hat was! Es war doch eh nur ein Anschluss nach Gutsherrenart und eine feindliche Übernahme durch die West-Konzerne, die einen sagenhaften Reibach maschten! Letztlich noch das Wüten der Treuhand,deren Raubzug das größte Wirtschaftsverbrechen der deutschen Wirtschaftsgeschichte darstellt!

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