Thomas de Maizière in der Flüchtlingskrise
Lügt der Innenminister? Angeblich Flüchtlingszahlen geschönt

Thomas de Maizière soll absichtlich die Zahlen der an deutschen Grenzen abgewiesenen Flüchtlinge geschönt haben. Ein Polizei-Bericht spricht von einer anderen Realität - und die Bundespolizei fühlt sich auf den Arm genommen.

Thomas de Maizière soll Flüchtlingszahlen geschönt haben. Bild: Ronny Hartmann/dpa

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) gab am Sonntag noch an, dass täglich zwischen 100 und 200 Flüchtlinge an den deutschen Grenzen zurückgewiesen würden. Nun ist aber ein Dokument der Bundespolizei aufgetaucht, das diese Angabe zu widerlegen scheint. Demnach schwankt die Zahl lediglich zwischen 80 und 150. Das Innenministerium soll das Polizei-Dokument ebenfalls vorliegen.

Haltlos: Polizei-Dokument widerlegt Aussagen von Thomas de Maizière deutlich

Der "Huffington Post" liegt das Dokument der Polizei vor. Demnach wurden am Samstag, 23. Januar, gerade einmal 72 Flüchtlinge an der Grenze abgewiesen. Im Zeitraum ab dem 14. September 2015 waren es 7.185 Personen, so die Zeitung. Weitaus weniger, als Thomas de Maizière angegeben hat. Da das Dokument von der Bundespolizei an das Innenministerium weitergeleitet wurde, bleibt die Frage, auf welchen Fakten die Aussagen des Innenministers beruhen. Schönt das Ministerium absichtlich Zahlen, um den eigenen Kontrollverlust zu verschleiern?

Nicht mal die Hälfte: Die wenigsten Flüchtlinge werden von der Polizei erfasst

Am 22. Januar sind laut dem Polizei-Bericht 1.917 Flüchtlinge nach Deutschland eingereist. Nur von 700 Personen wurden auch die Fingerabdrücke abgenommen. Die anderen sind somit in das Land eingereist, ohne überprüft worden zu sein. Dabei hatte Thomas de Maizière sich vor Kurzem noch dafür ausgesprochen, dass alle Flüchtlinge erkennungsdienstlich erfasst werden sollten. Die Realität scheint von dem meilenweit entfernt zu sein. Übrigens: Am 23. Januar wurden nur 561 Personen erfasst.

Hanebüchener Quatsch: Bundespolizei fühlt sich von Innenministerium auf Arm genommen

Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagte der "Huffington Post" über die Flüchtlingszahlen des Innenministeriums: "Die Behauptungen sind hanebüchener Quatsch." Der Bevölkerung werde suggeriert, dass alle Flüchtlinge registriert werden. "Tatsächlich wird von den allermeisten Flüchtlingen nicht einmal der Name aufgeschrieben."

Rainer Wendt: "An den Grenzen haben wir schon längst die Kontrolle verloren"

Zudem würden nur circa zehn Prozent der Flüchtlinge registriert. Die Polizei kann aus Personal- und Zeitmangel der Mammutaufgabe der Registrierung aller Flüchtlinge gar nicht nachkommen. Und: "Ja, es werden Leute zurückgewiesen. Aber das sind diejenigen, die sagen, sie wollen nach Skandinavien weiterreisen." Nach einer Ablehnung würden sie es dann meist am nächsten Tag noch einmal versuchen - und dann auch durchgewunken werden. Wendts Fazit: "An den Grenzen haben wir schon längst die Kontrolle verloren."

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gea/sam/news.de

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17 Kommentare
  • Wächterrat

    27.01.2016 21:09

    Neee, der Innenminister lügt nicht. Er hat nur von nix ne Ahnung und hat bisher auf allen seinen Posten total versagt. Er kann einem eigentlich nur leid tun denn außerhalb der Politik hätte er überhaupt keine Chance seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ein echter Low Performer eben.

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  • Und nun

    26.01.2016 17:33

    News.de: Wer legt nach welchen Kriterien die "Netiquette" fest? Maas? Wer bestimmt, was wir denken, sagen, fühlen dürfen? Wollen sie das Volk noch weiter knechten, verblöden, desinformieren? Was machen Sie, wenn ich polit. korrekt von "ProfessorIn" rede, aber politisch unkorrekt MörderIn sage? Machen sie diesen Wahnsinn der Vergewaltigung unserer ehemals schönen Sprache eigentlich freiwillig mit? Stehen Sie auf, können sie eigentlich morgens ohne Brechreiz noch in den Spiegel sehen? Warum werden denn keine wahren Berichte gebracht? Wie stehen Sie zu den Verbrechen der Politik? Wo ist Ihre

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  • Die Redaktion

    26.01.2016 13:38

    Das löschen einens Kommentares hat nichts mit Zensur zu tun, sondern mit dem Verstoß gegen unsere Netiquetten.

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