Nach Sex-Attacken an Silvester in Köln
Polizei warnt Leute vor Selbstjustiz durch Bürgerwehren

Nach den Übergriffen in Köln werden in Deutschland die Forderungen nach Bürgerwehren laut. Die Polizei warnt vor einem "verhängnisvollen Trend". Den Bürgern fehle die Ausbildung, um im Ernstfall angemessen zu handeln.

"Verhängnisvoller Trend"? Polizeigewerkschafter Radek bezieht in der Diskussion um das steigende Engagement von Bürgern für mehr Sicherheit eine eindeutige Position: "Bürgerwehren sind Ausdruck von Angst." Bild: dpa/ Martin Schutt

"Wenn Bürgerwehren in dieser aufgeheizten Stimmung, ohne den Sachverhalt genau zu kennen, reagieren, birgt das natürlich das Risiko einer Eskalation", meint der Stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. Ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei sagte: "Für die öffentliche Sicherheit ist in Deutschland die Polizei zuständig."

Nach den Übergriffen von Köln in der Silvesternacht sammeln sich im Internet immer mehr Menschen, die das Vertrauen in die Polizei verloren haben und in Zukunft selbst für Sicherheit zu sorgen wollen. So zählt die Facebook-Gruppe "Düsseldorf passt auf", stand Freitag, bereits knapp 8.500 Mitglieder. Der Plan der Gruppe: An Wochenenden bzw. Veranstaltungstagen gemeinsam durch die Stadt ziehen und "mit Präsenz und Gewaltlosigkeit" für Sicherheit zu sorgen, wie es auf der Facebook-Seite heißt.

Polizei warnt vor Selbstjustiz in Deutschland: "Jede Bürgerwehr ist eine zu viel"

"Ein gefährlicher Trend", findet Polizeigewerkschafter Radek. Das "bröckelnde Vertrauen" in die Beamten könnte Folgen für die innere Sicherheit haben. Da in Deutschland das Gewaltmonopol beim Staat liegt, bewegen sich Menschen zudem in einer Grauzone. Sollten Bürger im Falle eines Übergriffes beispielsweise eingreifen, könnten sie sich möglicherweise wegen Körperverletzung strafbar machen.

Zwar sehe auch Radek die Motive hinter der Organisation in einer Bürgerwehr als nachvollziehbar und ehrbar an, dennoch bleibt der Gewerkschafter bei seiner Überzeugung: "Jede Bürgerwehr ist eine zu viel."

Engagement als Positiv-Beispiel: "Mensch als Meldeposten"

Dass bürgerliches Engagement jedoch auch positive Folgen haben kann, zeigen Beispiele aus Brandenburg, Bayern, Hamburg und Sachsen, wo die Polizei mit sogenannten "Hilfspolizisten" zusammenarbeitet. Wie "Focus Online" berichtet, werden die Projekte teils von den Innenministerien der Länder unterstützt. Die Mitglieder bekommen Ausrüstung und werden von der Polizei in regelmäßigen Kursen geschult. Sonderrechte gelten dennoch keine.

Einem Sprecher der Brandenburger Polizei zufolge ist die Zusammenarbeit "eine Bereicherung", dass "den Bürgern ein gutes Gefühl" gebe und gleichzeitig dem Risiko von Selbstjustiz entgegenwirke. Auch Radek meint, dass wer sich an die Regeln halte und alle Fälle in die Zuständigkeit der Polizei übergebe, letztendlich nur ein "Mensch als Meldeposten" sei. "Wie eine Notrufsäule."

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mie/sam/news.de

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19 Kommentare
  • Peter Landgraf

    12.01.2016 06:30

    Ja,das ist hier der neue Ton bei news.de-Streichungen wenn die Argumente ausgehen,symptomatisch für diesen Lügenstaat! Die "größten Aktivisten" in dieser Richtung sind mattenb und Werner .4321!

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  • Ushiro

    11.01.2016 13:17

    Oh, wenn man Bürgerwehren als offensichtlich einzigen Schutz zur Erhaltung körperlicher Unversehrheit bezeichnet wird man gesperrt. Lässt weit blicken, was die vielbeschworene Freiheit (bspw. im Gegensatz zu Polen) angeht.

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  • Die Redaktion

    11.01.2016 12:18

    Der Kommentar von Ushiro am 11.01.16 um 10:05 wurde wegen Verstoßes gegen unsere Netiquette gelöscht.

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