Belagerung von Madaja (Syrien): Hunger, Kälte, Scharfschützen! 40.000 Menschen sind vom Hungertod bedroht

Wie in einem "Nazi-Konzentrationslager" sagte "Vice News"-Journalist Avi Asher-Schapiro über derzeitige Situation in der belagerten syrischen Stadt Madaja. Menschen, die Gras und Blätter essen, bis auf die Knochen abgemagerte Kinder und leblose Körper. Bis zu 40.000 Menschen befänden sich derzeit in der Ortschaft nahe Damaskus. Ihnen allen droht der Hungertod.

Nicht nur in Madaja, auch in anderen Städten wie der Rebellenhochburg Douma haben die Menschen mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Bild: dpa

Seit mehr als 170 Tagen wird Madaja bereits von Regimetruppen und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah belagert. Weil die Stadt laut "Spiegel Online" von Aufständischen der Freien Syrischen Armee (FSA) kontrolliert wird, kommt es immer wieder zu Bombardements. Zudem würden die Menschen am Verlassen des Ortes gehindert. So seien bereits mehrere Menschen von Scharfschützen erschossen worden, weil sie in den umliegenden Wäldern nach Feuerholz suchen wollten.

Denn nicht nur der Hunger, auch die Kälte mache den Menschen zu schaffen. Madaja liegt in 1.500 Metern Höhe. Die Temperaturen liegen derzeit unter dem Gefrierpunkt. Um sich warm zu halten, würden Einwohner nun sogar Plastik verbrennen, das zu Atemproblemen führt.

20 bis 35 Bewohner von Madaja verhungert: "Die Menschen sterben in Zeitlupe"

Das größte Problem ist jedoch der Hunger. Einer Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) zufolge hat die letzte Hilfslieferung Madaja im Oktober erreicht. Seitdem seien die Menschen auf sich gestellt, hätten vor einigen Tagen damit begonnen, Hunde und Katzen zu schlachten. Unterschiedlichen Berichten zufolge sind bereits zwischen 20 und 35 Bewohner der Stadt verhungert. Ein Sozialarbeiter aus Madaja sagte dem "Guardian": "Die Menschen sterben in Zeitlupe."

Zwar würden laut WFP-Sprecherin Bettina Lüscher Lastwagen mit Hilfsgütern zur Ernährung der Stadtbewohner bereit stehen. Doch um die Versorgung zu gewährleisten, müssten die Konfliktparteien den Helfern zunächst den Zugang in die eingeschlossene Stadt gewähren.

Bilder sorgen für Entsetzen: Menschen protestieren für Madaja

In den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Bilder hungernder Menschen aus Madaja. Obwohl ihre Authentizität nicht bestätigt werden kann, sorgen die Aufnahmen und das damit verbundene Leid der Menschen derzeit für weltweites Entsetzen und Proteste. So protestierten laut "Bild.de" im libanesischen Beirut Syrer mit ihren Kindern vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen für das Ende der Blockaden von Madaja und Zabadani. In der nicht besetzten syrischen Stadt Kafr Anbel enthüllten Aktivisten ein Plakat, in dem sie den Papst und den UN-Sicherheitsrat dazu aufforderten, die Kinder von Madaja vor dem Verhungern zu retten. Einzig der Westen hält sich bisher noch mit einer Reaktion zurück.

Ebenso wie Madaja wird auch Zabadani von verschiedenen Parteien belagert. Im Kampf um den strategisch wichtigen Ort im Westen Syriens ringen laut "Frankfurter Allgemeine" derzeit nicht nur Rebellen, Regierungstruppen und die Hisbollah, sondern auch die Türkei und Iran mit. Im Norden Syriens soll das Bild umgekehrt aussehen: Aufständische und Einheiten der Terrormiliz Nusra-Front hätten dort laut "Spiegel Online" die beiden Orte Fua und Kefraja eingeschlossen, die von Regierungstruppen kontrolliert werden. Auch in diesen Städten sei die Situation katastrophal. Die Menschen hungern, müssen "ohne Narkose operiert werden." Auf Zabadani seien in den letzten Wochen hunderte Fassbomben und abertausende Granate niedergegangen.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

mie/sam/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser