Steinmeier zum Syrien-Einsatz: Neue Truppen, neue Jets, neue Konflikte: Zieht Deutschland in den Krieg?

Deutschland schickt weitere Truppen und Ausrüstung in den Kampf gegen den IS. Derweil machen die Spannungen im Nahen Osten eine Lösung des Konfliktes schwieriger denn je. Auch Außenminister Steinmeier ist sich dessen bewusst.

Ein Tornado vom Taktischen Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" beim ersten Start von der Air Base Incirlik. Bild: Falk Bärwald/dpa

Nachdem bereits am Montag 111 weitere Soldaten zur Aufstockung der Bundeswehr-Mission im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Türkei gelandet sind, erreichen heute vier neue "Tornado"-Aufklärungsjets den Nato-Stützpunkt Incirlik. Das deutsche Einsatzkontingent wächst damit auf 194 Männer und Frauen und insgesamt sechs "Tornados" an.

Zu den am Montag gestarteten Einsatzkräften sollen Piloten, Techniker und Bodenpersonal, aber auch Fachleute zur Auswertung des Bildmaterials der geplanten Aufklärungsflüge gehören. Die Männer und Frauen begeben sich in einen Einsatz, der bereits jetzt als eine der heikelsten Missionen in der Geschichte der Bundeswehr gilt.

VIDEO: Deutsche Tornados starten in den Syrien-Einsatz
Video: dpa

Bundeswehr-Einsatz in Syrien: "Riad und Teheran könnten unsere Bemühungen zunichte machen"

Denn während Deutschland zwar bisher nur Aufklärungsflüge versprach, erscheint der Konflikt im Nahen Osten von Minute zu Minute komplizierter zu lösen, die einzelnen Interessen und Spannungen immer diffuser. Nachdem Ende vergangenen Jahres das Verhältnis zwischen der Türkei und Russland nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets ins Negative kippte, haben nun zusätzlich Saudi-Arabien und Bahrain jegliche diplomatische Verbindung zum Iran gekappt.

In einem Interview mit "Bild.de" gestand Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nun ein, dass die aktuellen Eskalationen zwischen Riad und Teheran "alle unsere Bemühungen der letzten Wochen um Syrien wieder zunichte machen könnten."

Kampf gegen den IS: "Saudi-Arabien und Iran sind uns etwas schuldig"

Erst gestern hatten Truppen des IS den größten Ölhafen in Libyen angegriffen. Trotz permanenter Bombardements durch Kräfte der Anti-IS-Koalition scheint die Terrororganisation ihr Gebiet weiter ausbauen zu wollen. "Ich hoffe sehr, dass die Turbulenzen möglichst bald wieder enden, Vernunft einkehrt und Riad und Teheran sich darauf besinnen, worauf es wirklich ankommt: die militärischen Konflikte zu entschärfen, in Syrien, im Jemen und anderswo politische Lösungen zu befördern und dadurch ISIS den Boden zu entziehen", sagte Steinmeier, angesprochen auf den gemeinsamen Kampf gegen den Islamischen Staat.

"Der ganze Mittlere Osten, und gerade Saudi-Arabien und Iran, sind uns etwas schuldig. Die Weltgemeinschaft hat sich seit Jahren massiv für die Befriedung der miteinander verflochtenen Konflikte in der Region eingesetzt. Jetzt brauchen wir verantwortliche Akteure in der Region, die verantwortlich handeln, in Riad genauso wie in Teheran. Ich setze darauf, und ich erwarte auch, dass die Entscheidungsträger dem auch gerecht werden."

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mie/grm/news.de/dpa

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