Wohin steuert Griechenland?: Tsipras stänkert, Varoufakis vor politischem Comeback in Berlin

Griechenland steckt nun schon seit sieben Jahren in einer Rezession. Ohne die Hilfs-Milliarden der EU wäre das Land schon pleite. Nun meldet sich Tsipras zu Wort und warnt, er wolle keine "unsinnigen Forderungen" mehr erfüllen. Derweil wagt Varoufakis in Berlin sein politisches Comeback.

Alexis Tsipras will keine "unsinnigen Forderungen" mehr leisten. Bild: Simela Pantzartzi/dpa

Eine Staatspleite in Athen ist mit neuen Hilfsmilliarden der Europäer erst einmal abgewendet. Doch bevor Griechenland bei den Finanzen wieder auf eigenen Beinen stehen kann, sind noch viele Hürden zu nehmen. Um das hoch verschuldete Griechenland ist es in den vergangenen Monaten zwar etwas ruhiger geworden. Doch der Schein trügt. Denn es kann 2016 zu neuen krisenhaften Entwicklungen kommen. Die Probleme des pleitebedrohten Landes sind noch lange nicht gelöst.

Alex Tsipras will sich nicht auf "unsinnige Forderungen einlassen"

Das auf drei Jahre angelegte neue Rettungsprogramm belegt den Willen der Europartner, das schwächste Mitglied in der Währungsunion zu halten. Voraussetzung für das Paket war im vergangenen Sommer, dass der linksgerichtete Premier Alexis Tsipras auf Reformkurs ging. Falls die Athener Links-Rechts-Regierung - aus welchen Gründen auch immer - diesen Kurs verlassen sollte, sind neue Krisen unvermeidbar. Denn ohne Reformen gibt es kein frisches Geld aus dem europäischen Rettungsschirm. Nun sprach Tsipras aber schon wieder davon, "unsinnige Forderungen" der EU nicht erfüllen zu wollen. Welche Forderungen er damit genau meint, ließ er allerdings offen.

Sanierung Griechenlands: Vieles lief zäher als erwartet

Doch wie steht es eigentlich um Griechenland? Kurz gesagt: Es läuft, aber es gibt Verzögerungen. Der Euro-Rettungsschirm ESM stellte bisher 21,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Das im Sommer aufgelegte Programm hat insgesamt einen Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro - dieser Betrag dürfte aber nicht ausgeschöpft werden, da für das Sanieren von Banken weniger Geld gebraucht wird als geplant. Im Detail lief manches zäher als erwartet. Kreditraten konnten teilweise nur verspätet fließen, da sich Reformen verzögerten. Die Geldgeber-Institutionen und Griechenland wollen Anfang des Jahres die erste Überprüfung des Hilfsprogramms abschließen. Diese wichtige Hürde sollte eigentlich schon im vergangenen November überwunden werden. Ein sehr heißes Eisen ist dabei die Rentenreform mit einer Erhöhung des Renteneintrittsalters.

Griechenlands Schulden wachsen weiter

Der Schuldenberg in Athen wächst weiter, die Regierung dringt auf Schuldenerleichterungen. Die Europartner wiederholen gebetsmühlenartig, dass dafür erst das Rettungsprogramm überprüft werden muss. Der Schuldenberg dürfte nach Brüsseler Einschätzung in diesem Jahr knapp 200 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen - erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Debattiert werden unter anderem längere Kreditlaufzeiten; die ESM-Kredite haben aber jetzt schon eine durchschnittliche Laufzeit von 32,5 Jahren. Einen Schuldenschnitt soll es nicht geben. Bei einer solchen Maßnahme verzichten Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen.

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