Von news.de-Volontär Eric Mittmann - 16.11.2015, 15.32 Uhr

Zeit, die Kuh zu melken - ein Kommentar: Pegida marschiert auch nach Paris wieder

Drei Tage nach den Terroranschlägen von Paris will das islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bündnis am Montagabend in Dresden wieder auf die Straße gehen. Klar, wenn der Braten einmal serviert ist, warum ihn dann stehen lassen? Das Blut ist geflossen - Zeit, es zum Kochen zu bringen.

Pegida-Anhänger in Dresden. Angesichts des islamistischen Terrors in Paris wird mit Zulauf für die Kundgebung auf dem Theaterplatz vor der Semperoper gerechnet. Bild: Bernd Settnik/dpa

Die Leichen sind noch nicht ganz kalt, die Opfer müssen noch immer identifiziert werden, da geht Pegida auch schon wieder auf die Straße. Natürlich, für die islam- und fremdenfeindlichen Pegidisten sind die Ereignisse vom 13. November ein gefundenes Fressen: Eine Gruppe islamistischer Fundamentalisten und Fanatiker hat in einer europäischen Metropole ein Blutbad angerichtet, dem mehr als 100 Menschen zum Opfer fielen.

Die Attentäter sollen zum Teil über jene Routen nach Frankreich gelangt sein, über die seit Monaten Menschen nach Deutschland strömen und die in großen Teilen den selben Glauben verfolgen, wie jene, die in Paris mordeten und töteten.

Nach den Anschlägen von Paris: Pegida wieder auf der Straße

Bereits in den vergangenen Tagen wurden Stimmen laut, die nach einer verstärkten Kontrolle der deutschen und europäischen Grenzen verlangten. Angesichts des Terrors in Paris wird einmal mehr mit Zulauf für die Pegida-Kundgebung auf dem Theaterplatz in Dresden gerechnet. Außer Frage steht dabei wahrscheinlich, dass die Islamfeinde die Ereignisse verurteilen werden. Fraglich ist jedoch, wie sehr sie die Kuh ausschlachten.

Von Niveau sollte in diesem Fall keine Rede sein. Jegliche Verurteilungen, sinnlosen Anschuldigungen und Behauptungen seitens eines "besorgten Bürgertums" sind in diesem Moment so unangebracht wie die Äußerungen republikanischer US-Promis für mehr Schusswaffen in europäischen Haushalten. Und dennoch werden einmal mehr Tausende vor die Semperoper strömen und den Worten eines Möchtegern-Hitlers lauschen. Im Januar, nach dem Anschlag von Islamisten auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" hatte Pegida mit über 20 000 Menschen die bislang größte Zahl an Teilnehmern auf die Straße gebracht. Wahrscheinlich werden es an diesem Montag noch einmal mehr werden.

Pegida-Demonstration in Dresden: Auch Gegenseite möchte auftreten

Es gibt jedoch auch immer noch die Gegenseite: Für diesen Montag hat die Gruppe Gepida - "Genervte Einwohner protestieren gegen Intoleranz Dresdner Außenseiter" - wieder zu einer Gegendemonstration in Dresden aufgerufen. Vor einer Woche, am Jahrestag der Pogromnacht von 1938, hatten bis zu 600 Menschen gegen Hass und Hetze protestiert. Bleibt nur zu Hoffen, dass die Gegendemonstranten auch heute ihre Stimmen erheben werden.

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mie/saw/news.de/dpa

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