Von news.de-Volontärin Conny Rädel - 28.09.2015, 15.55 Uhr

NSU-Prozess: So läuft das Verfahren gegen Beate Zschäpe

Am Anfang erregte der NSU-Prozess großes Aufsehen und auch mehr als zwei Jahre nach dessen Beginn kommen immer noch neue Erkenntnisse ans Licht. Die wichtigsten Fakten zum Prozess und wo Sie die neusten Informationen finden, erfahren Sie hier.

Beate Zschäpe ist die bekannteste Angeklagte im NSU-Prozess. Bild: Peter Kneffel/dpa

Nach mehr als zwei Jahren ist immer noch kein Ende im NSU-Prozess in Sicht. Am Dienstag, den 29. September und Mittwoch, 30.09.2015, finden die Verhandlungstage 232 und 233 im Münchner Oberlandesgericht statt, Termine gibt es noch zwei- bis dreimal wöchentlich bis Januar. Ursprünglich sollte der Prozess, der am 6. Mai 2013 eröffnet wurde, "nur" etwa zweieinhalb Jahre dauern. Doch inzwischen wird damit gerechnet, dass sich die Sitzungen noch mindestens bis Herbst 2016 hinziehen werden. Kein Wunder bei 480 Seiten Anklageschrift, 650 Aktenordnern mit den Ermittlungsergebnissen der Bundesanwaltschaft, 600 Zeugen und 86 Nebenklägern.

Damit Sie nicht den Überblick verlieren, fassen wir nochmal die wichtigsten Fakten rund um den Prozess zusammen.

Die Angeklagten im NSU-Prozess

Wer die Medienberichterstattung verfolgt, könnte meinen, dass es in dem Verfahren nur um die Angeklagte Beate Zschäpe geht, jedoch müssen sich vier weitere mutmaßliche Unterstützer und Helfer der Terrorzelle verantworten: André Eminger, Holger Gerlach, Carsten S. sowie der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

Die Vorwürfe gegen die Angeklagten lauten: Beate Zschäpe ist der Mittäterschaft in zehn Mordfällen angeklagt, der besonders schweren Brandstiftung und Mitgliedschaft und Gründung einer terroristischen Vereinigung. Ralf Wohlleben und Carsten S. müssen sich wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen durch Beschaffung der Tatwaffe verantworten. André Eminger ist wegen Beihilfe zu einem Sprengstoffanschlag angeklagt, außerdem wegen Raub und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in je zwei Fällen. Holger Gerlach muss sich wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in drei Fällen verantworten.

Die Verbrechen der NSU
Zehn Morde
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Das Oberlandesgericht München und die Kosten des NSU-Prozesses

Der Prozess findet nach wie vor im 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München statt, der auch als Staatsschutzsenat bezeichnet wird. Der Verhandlungssaal A 101 wurde extra für den Prozess umgebaut, so dass auch Simultanübersetzungen für die Nebenkläger zur Verfügung stehen, was in Deutschland eigentlich unüblich ist. Durch die vielen Nebenkläger und deren Anwälte stehen Medien und Zuschauern jeweils nur 50 Plätze zur Verfügung, obwohl der Saal 230 Plätze bietet. Die Kosten für einen Verhandlungstag werden beantragten die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger ihre Entpflichtung, doch auch hier wurde der Antrag abgelehnt. Zschäpe soll sogar ihre Anwälte wegen Verletzung der Schweigepflicht angezeigt haben.

Übertragung des Prozesses

In Deutschland sind Ton- und Videoübertragungen "zum Zwecke der öffentlichen Vorführung" bei Gerichtsprozessen verboten. Allerdings gibt es verschiedene Blogs und Internetseiten, die sich intensiv mit dem NSU-Prozess beschäftigen und alle Details und Erkenntnisse der Verhandlungen veröffentlichen, zum Beispiel "NSU Watch" und "Das NSU-Prozess-Blog" der "Zeit".

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räc/bua/news.de

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