Wahl in Griechenland: Tsipras bleibt - was heißt das für Europa?

Überraschend deutlich hat das Linksbündnis Syriza die Wahl in Griechenland gewonnen - und ihr Parteichef so die angestrebte Rückendeckung der Wähler bekommen. Dieser will eigentlich so weitermachen wie bisher - in Koalition mit der rechten Partei Anel. Doch wohin wird das Europa steuern?

Griechenland wählt: Auch Tsipras gab seine Stimme an der Urne ab. Bild: Orestis Panagiotou/dpa

Nach Auszählung aller Stimmen hat die Syriza-Partei nach Angaben des Athener Innenministeriums die Wahl der Griechen mit 35,47 Prozent der Stimmen gewonnen. Der größte Herausforderer, die Nea Dimokratia (ND) unter Evangelos Meimarakis, kam auf 28,09 Prozent.

Alter und neuer Ministerpräsident: Tsipras wird wohl noch diese Woche vereidigt

Tsipras verständigte sich noch am Wahlabend mit dem Vorsitzenden der Unabhängigen Griechen (Anel), Panos Kammenos, auf eine Wiederauflage der Koalition. Obwohl es in der Vergangenheit zwischen der linken Syriza und der rechten Anel immer wieder zu heftigen Konflikten gekommen war. Doch scheinbar konnten sich die Parteien einigen. Tsipras könnte bereits heute als Ministerpräsident vereidigt werden.Syriza kommt laut Innenministerium auf 145 Sitze im Parlament, die Anel auf 10. Für eine absolute Mehrheit sind 151 der 300 Sitze notwendig. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem bezeichnete das Ergebnis im Kurznachrichtendienst Twitter als "starkes Mandat" der Wähler, um den Reformkurs des Landes fortzusetzen.

Griechenland liegt auch nach drittem Hilfspaket wirtschaftlich am Boden

Das Land steht nach wie vor auf Messers Schneide. Die Wirtschaft ist seit 2010 um ein Fünftel geschrumpft. Jeder vierte Grieche ist arbeitslos. Fast jeder Zweite unter 25 hat keinen Job. Die Links-Rechts-Koalition hatte Griechenland bereits nach der Wahl im Januar für sieben Monate regiert, Tsipras hatte das dritte Hilfspaket von bis zu 86 Milliarden Euro mit den Geldgebern ausgehandelt. In den kommenden Jahren stehen im Gegenzug dafür weitere Spar- und Reformauflagen an. Insgesamt schuldet Griechenland 230 Milliarden Euro.

Tsipras' Versprechen: Schutz der Sozialschwachen

Tsipras erklärte am Sonntagabend bei einer Rede im Zentrum Athens: "Griechenlands Volk hat uns ein klares Mandat gegeben, im In- und Ausland für den Stolz unseres Volkes zu kämpfen." Griechenland habe wegen des Sparprogrammes schwierige Zeiten vor sich, erklärte Tsipras. Um aus der Krise zu kommen, gebe es keine "magischen" Lösungen. "Wir werden aber die sozial Schwachen schützen", sagte er, ließ aber offen, was genau damit gemeint ist.

Syriza war wegen die Sparpolitik des Landes im August zerbrochen

Die Neuwahl war nötig geworden, weil Tsipras am 20. August seinen Rücktritt als Ministerpräsident erklärt hatte - um die Gegner in seiner eigenen Partei loszuwerden und sich ein stabiles Mandat der Wähler zu sichern. Die den Gläubigern zugesagte Sparpolitik hatte Syriza gespalten. Ihr Ableger, die Volkseinheit (Lae), verfehlt demnach den Einzug ins Parlament ganz knapp. Sie kam auf 2,86 Prozent der Stimmen und lag damit unter der Drei-Prozent-Hürde.

Tsipras hat den Griechen wieder einige Versprechungen gemacht

Tsipras hatte im Wahlkampf ein "sanfteres" Sparprogramm versprochen, dessen Details noch ausgehandelt werden müssten. Er stellte zudem Nachbesserungen beim Abbau des Schuldenberges in Aussicht. Eurogruppen-Chef Dijsselbloem hatte bereits deutlich gemacht, dass eine Nachverhandlung nicht zur Debatte steht.

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