Kampf gegen Schlepper: Wie Deutschland seine Humanität verliert

Die Bundesregierung will sich mit zwei Kriegsschiffen an einem Militäreinsatz im Mittelmeer beteiligen. Mit der humanitären Nation Deutschland könnte es denn schnell vorbei sein. Denn mit den Schleppern werden auch die Flüchtlinge bekämpft.

Flüchtlinge in Ungarn. Bild: dpa/ Sebastian Kahnert

Es war wahrscheinlich eine der dramatischsten Wochen seit dem Beginn der Flüchtlingskrise. Allein am Wochenende sind fast 20.000 Migranten in München angekommen - und es werden täglich mehr. Überall in Deutschland werden Wohnheime errichtet. Menschen bringen spenden und organisieren sich, um den Hilfesuchenden ein neues Zuhause zu bieten. Es sind Momente der Menschlichkeit. Momente, in denen Deutschland mit gutem Beispiel voranschreitet. Doch wann hört diese Menschlichkeit auf? Wenn es nach der Bundesregierung geht, anscheinend nicht früh genug

Nie wieder Deutschland

Vergangene Woche stand ich mit Tausenden Leipzigern an der Haltestelle Goerdelerring, um einmal mehr gegen einen Aufmarsch der islamfeindlichen Gruppierung Legida zu demonstrieren. Dabei ertönte neben Buh-Rufen und Willkommensgrüßen für Flüchtlinge auch der aus der linken Szene bekannte Slogan "Nie wieder Deutschland!".

Als im Laufe der Woche dann immer mehr Meldungen über die Flüchtlingssituation in Ungarn, Serbien, Österreich und dem Rest Europas eintrafen, wusste ich irgendwann nichts mehr, mit diesem Spruch anzufangen. Nie wieder Deutschland? Gerade vergangene Woche hatten wir doch allen Grund, stolz auf unser Land zu sein.

Ein Moment der Größe

Während sich ein Großteil der EU-Staaten gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sträubte, hießen wir die Menschen willkommen. Während britische Medien Flüchtlinge als Kakerlaken und Streuner bezeichnete und statt Rettungsbooten lieber Kanonenboote einsetzen wollten, verurteilte selbst die "Bild"-Zeitung Angriffe auf Wohnheime und die rassistischen Tiraden einiger Weniger in sozialen Netzwerken. Während die Menschen aus Ungarn flohen, nachdem das Land seinen Grenze mit einem neuen Zaun schließen ließ, liefen sie sogar zu Fuß nach Deutschland und hielten dabei Fotos von Angela Merkel in ihren Händen. Es war ein Moment der Größe, der sich da für unser Land bot. Und es war ein Moment, den wir nutzten. Bis zum vergangenen Wochenende.

Denn während in München für Tausende Menschen der Weg ihrer langen Reise ein Ende fand, verkündete die Bundesregierung ein neues Vorhaben: Im Rahmen eines EU-Militäreinsatzes im Mittelmeer wolle sie sich mit zwei Kriegsschiffen an der Jagd auf sogenannte Schleuser oder Schlepper beteiligen. Dabei solle auch der Gebrauch von Schusswaffen erlaubt sein. Die Regierung benötigt deswegen die Zustimmung des Bundestages. Dieser wird Anfang Oktober über das Vorhaben entscheiden.

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