Flüchtlingskatastrophe in Europa: Ertrunkenes Flüchtlingskind - Mutmaßliche Schleuser gefasst

Das Foto einer Kinderleiche am türkischen Strand in Bodrum hat Entsetzen ausgelöst. Die Aufnahme verbreitete sich schnell über Twitter und steht nun als Sinnbild für das enorme Leid der Flüchtlinge, die nach Europa wollen. Nun sind vier mutmaßliche Schleuser festgenommen worden.

Dieser kleine Junge ist im Mittelmeer ertrunken - er war mit einer Gruppe syrischer Flüchtlinge unterwegs. Bild: dpa

Fotos eines ertrunkenen Flüchtlingskindes haben in den sozialen Netzwerken große Betroffenheit ausgelöst. Eine an einem Strand im türkischen Bodrum entstandene Aufnahme zeigt den angespülten leblosen Körper des Jungen halb im Wasser liegend.

Familie des ertrunkenen Kindes wollte nach Kanada

Die Familie des ertrunkenen Flüchtlingskindes aus Syrien, dessen Foto weltweit für Bestürzung sorgt, wollte offenbar nach Kanada. Wie die Tageszeitung "Ottawa Citizen" berichtet, hatte der Vater mit seiner Frau und den beiden Söhnen zu seiner Schwester nach Vancouver gelangen wollen. Nur der Vater überlebte. Der einzige Wunsch des Vaters sei es nun, mit seiner toten Familie ins syrische Kobane zurückzukehren und sie dort zu begraben, zitiert das Blatt die Familie.

Ertrunkenes Flüchtlingskind: Vater schildert Tod seiner Familie

Inzwischen schilderte der Vater des ertrunkenen Flüchtlingskindes aus Syrien den Tod seiner Familie im Meer. Das Boot sei auf der Fahrt vom türkischen Bodrum zur griechischen Insel Kos bei hohem Wellengang gekentert, sagte Abdullah Kurdi dem oppositionellen syrischen Radiosender Rosana FM am Donnerstag in einem Telefonat. "Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch. Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten."

Weinend fügte der Vater hinzu, dass trotz seiner Bemühungen auch der andere Sohn gestorben sei. Als er sich dann um seine Ehefrau habe kümmern wollen, habe er sie tot vorgefunden. "Danach war ich drei Stunden im Wasser, bis die Küstenwache ankam und mich rettete." Er habe den Schleusern 4.000 Euro für die Überfahrt seiner Familie gezahlt. Der Menschenschmuggler an Bord sei nach Beginn des hohen Wellengang ins Wasser gesprungen, um sich in Sicherheit zu bringen, und habe die Flüchtlinge alleine gelassen.

Mutmaßliche Schleuser gefasst

Vier mutmaßliche Schleuser sind inzwischen festgenommen wurden. Wie die Nachrichtenagentur Dogan berichtet, habe die türkische Polizei die aus Syrien stammenden Verdächtigen in Bodrum geschnappt.

Foto einer Kinderleiche am Strand von Bodrum - Entsetzen bei Twitter

Unter dem Hashtag #KiyiyaVuranInsanlik sorgten die Fotos auf Twitter für zahlreiche Reaktionen. "Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt", schrieb eine Nutzerin. "Mir kamen die Tränen (...)", meinte eine andere. "Ohne Worte", schrieb ein weiterer Nutzer.

Der Junge gehörte einem Bericht der britischen Zeitung "The Guardian" zufolge zu einer Gruppe von mindestens zwölf syrischen Flüchtlingen, die am Mittwoch vor der türkischen Küste ertrunken waren.

@Joekadla schreibt: "Nur ein totes Kind kann Europa wachrütteln? Sagt doch mehr über uns aus, als uns lieb ist. #KiyiyaVuranInsanlik"

Ertrunkenes Flüchtlingskind im Mittelmeer: Darf man das zeigen?

Aber es gibt auch Kritik an der Veröffentlichung dieses Bildes: "Sollen/Müssen wir das tote Flüchtlingskind zeigen? @fabianmohr hat das ethisch betrachtet. #KiyiyaVuranInsanlik", fragt Twitter-Nutzer @fxgebhardt.

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boi/sam/news.de/dpa

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