Griechenland-Krise: Varoufakis plante Grexit in 4 Schritten

Die griechischen Parteien fordern eine schnelle Klärung der Berichte über einen angeblichen geheimen Grexit-Plan von Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis. Derweil werden immer mehr Details seines geheimen Planes bekannt. Demnach wollte Varoufakis die Troika täuschen und ein paralleles Finanzsystem erschaffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Ex-Finanzminister.

Yanis Varoufakis steht im Kreuzfeuer wegen seines geheimen Grexit-Plans. Bild: Julien Warnand/picture alliance/dpa

Einem Bericht der griechischen Zeitung "Kathimerini" zufolge soll Yanis Varoufakis den Aufbau eines parallelen Zahlungssystems für Griechenland geplant haben. Dies sollte im Falle eines Austritts aus der Eurozone (Grexit) in Kraft treten und die Grundlage für die Wiedereinführung der alten Währung der Drachme bilden, berichtete die Zeitung am Sonntag. Ein Mitschnitt einer Telefonkonferenz von Varoufakis mit führenden Hedgefonds Mitarbeitern am 16. Juli hervor soll die geheimen Pläne belegen.

Varoufakis verneint die Beschuldigungen und gibt sie gleichzeitig zu

Der stellvertretende griechische Finanzminister Dimitris Mardas sagte im griechischen Rundfunk, diese Pläne seien bei Sitzungen der griechischen Regierung nie zur Sprache gekommen. Varoufakis selbst schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Ich bin beeindruckt von der Fantasie meiner Verleumder". Der britischen Zeitung "Telegraph" sagte er, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Der Plan beinhaltete laut "Kathimerini" angeblich auch, dass ein kleines Team des Finanzministeriums das Steuersystem des eigenen Ministeriums hacken sollte, um Steuerdaten griechischer Bürger und Unternehmen für den Aufbau des parallelen Zahlungssystems zu entwenden.

Varoufakis' Plan: Ein "Grexit" in 4 Schritten

Doch wie hätte ein "Grexit" laut Varoufakis ausgesehen? Nach dem Mitschnitt wäre dieser nach dem Ex-Finanzminister in vier Schritten erfolgt.

  • Schließung der Banken: Um einen Finanz-Kollaps zu verhindern, wollte Varoufakis die Banken schließen. "Spätestens dann ist ein paralleles Zahlungssystem notwendig. Nur so kann die Wirtschaft einige Zeit überleben", sagt er in dem Mitschnitt. Auch die Kontrolle über das Generalsekretariat für Einnahmen müsste wieder in griechische Hand gelangen - diese wird derzeit von der Troika überwacht.
  • In das eigene Ministerium einhacken: Varoufakis hackte sich bereits wenige Tage nach dem Wahlsieg der Tsipras-Partei in das eigene Finanzministerium. Ein Software-Ingenieur, mit dem Varoufakis befreundet ist, half ihm dabei.
  • Paralleles Finanz- und Steuersystem: Alle steuerpflichtigen Griechen müssen sich über die Seite Taxisnet registrieren und ihre Steuerzahlungen vornehmen. Varoufakis wollte auf der Seite einen bestimmten Code installieren, der die Anmeldeinformationen automatisch mitliest und speichert. Nach der Bankenschließung wären die Steuerzahler automatisch auf eine neue, geheime Adresse umgeleitet worden - auf diese hätte die Troika dann keinen Zugriff. Es wäre ein paralleles Finanz- und Steuersystem entstanden, auf welches die EU keine Einsicht hat. Per Mausklick hätten Varoufakis und seine Truppe Millionen neue Passwörter für die griechischen Steuerzahler ausgestellt.
  • Digitale Schuldscheine: Die Griechen sollten vom Euro wieder zurück zur Drachme geführt werden. Dazu wollte Varoufakis Schuldscheine ausstellen. Damit hätte Griechenland ein paralleles Zahlungssystem etabliert.

Die griechische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Varoufakis

Unterdessen hat die griechische Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Yanis Varoufakis eingeleitet. Noch ist unklar, wie viel Staatsoberhaupt Alexis Tsipras von den geheimen "Grexit"-Plänen wusste bzw. wie viel davon er selbst anordnete.

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gea/sba/news.de/dpa

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