Von news.de-Volontärin Anne Geyer - 20.07.2015, 15.13 Uhr

Unsere Leute sind zu recht sauer!: Osteuropa hat keinen Bock mehr auf Griechenland

Osteuropa ist ganz schön verstimmt. Die Griechen tun sich schwer, ihre Reformen und Sparmaßnahmen umzusetzen. Nunmehr erhält Athen das dritte Hilfspaket - und es ist unklar, ob es diesmal reichen wird, den 10-Millionen-Einwohner-Staat wieder auf die eigenen Füße zu helfen. Die Osteuropäer müssen für die reicheren Griechen zahlen - und sind darüber mächtig sauer.

Griechenland steckt schon seit Jahren in der Krise und sträubte sich immer wieder gegen Reformen. Bild: fotolia.com/Sondem

Wer hat es noch nicht gehört? - Griechenland geht es schlecht! Das sollte wohl an keinem vorbeigegangen sein. Immer wieder erreichen uns Bildern von weinenden Alten, die ihre Renten nicht abholen können und Arbeitern, die ihre Mieten nicht mehr zahlen können. Ein Australier ließ sich bei dem Anblick eines verzweifelten Rentners sogar dazu hinreißen, ihm von nun an die Rente bezuschussen zu wollen. Es gibt aber so einige EU-Mitgliedsstaaten, denen es noch nie so gut ging wie den Griechen und die einen viel niedrigeren Lebens-Standard haben. Ihr Verständnis für Griechenlands Handeln in der Krise schwindet immer mehr. Doch auch sie werden bei neuen Hilfspaketen immer wieder zur Kasse gebeten. Klar also, dass das Unverständnis wächst - und die Wut.

Athen hält Versprechen: Athen hat Geld überwiesen.

Osteuropa musste selbst harte Sparmaßnahmen durchstehen - ohne Hilfe der EU

Tschechien, Litauen, Estland, die Slowakei und Slowenien sind die besten Beispiele: Nicht nur West-Europa muss Athen im Kampf gegen die Krise unterstützen, es trifft auch Länder, die gesamtheitlich eigentlich ärmer sind als Griechenland. Nun müssen sie den Staat unter die Arme greifen, obwohl es bei ihnen selbst schon hinten und vorne kaum reicht und sie unter einem engen Haushalts-Gürtel ächzen. Sie mussten selbst harte Reformpakete umsetzen und Sparmaßnahmen ergreifen, um eben nicht in den Staatsbankrott zu geraten oder in die Europäische Union aufgenommen zu werden. Griechenland wählte bei der eigenen Bewerbung für eine Aufnahme in die EU schließlich krumme Methoden und trickste mit ein paar Buchungen ihre Zahlen und Bilanzen schön. Nun kommen sie aus ihren tiefroten Zahlen nicht mehr raus. Die Osteuropäer hingegen konnten sich aus ihren Krisen selbst befreien - mit radikalen Sparmaßnahmen und Disziplin.

Die Osteuropäer befreiten sich selbst aus der Krise - mit Härte und Disziplin

Lettland zum Beispiel, hat ein wesentlich härteres Reform-Programm hinter sich, als die Troika es je von Griechenland verlangte. In dem baltischen Staat wurden die Löhne um 40 Prozent gesenkt. Litauen senkte die Gehälter in der Schulden-Krise um 20 Prozent, die Renten um 10. Präsidentin Grybauskaite erklärte ihren Landleuten, dass die Maßnahmen notwendig seien und ging selbst mit gutem Beispiel voran. Sie verzichtet auf ein Zehntel ihres Einkommens und flog bei Staatsbesuchen mit Billig-Airlines. Beschwerden hörte man dabei nicht. Es gab auch von den westlichen EU-Staaten kein großes Mitleid - das harte Sparen in Zeiten einer finanziellen Krise war wohl selbstverständlich. Tatsächlich haben es die Osteuropäer mit eiserner Disziplin selbst geschafft, sich aus der Krise zu befreien.

"Es ist unmöglich zu erklären, warum die arme Slowakei für Griechenland zahlen soll"

Es ist also kein Wunder, dass die Vertreter der osteuropäischen Staaten auf Griechenland nicht so gut zu sprechen sind. Die Haltung der griechischen Regierung zu den Reformvorschlägen der EU stößt bei ihnen auf Unverständnis. Die "Frankfurter Allgemeine" zitiert den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico zum Thema griechische Krise: "Es wäre unmöglich, der Öffentlichkeit zu erklären, dass ausgerechnet die arme Slowakei für Griechenland aufkommen soll." Die anderen europäischen Staaten könnten doch nicht für die absurden Wahlversprechen von Tsipras' Partei Syriza haften müssen. "Den Leuten zu erklären, dass wir Geld an die Griechen zahlen müssen für ihre Gehälter und Renten, ist unmöglich", zitiert die "FAZ" weiter. Und: "Warum sollten die Slowaken Teile der Schulden bezahlen?" 2010 hatte sich die Slowakei an der Beteiligung für ein Hilfspaket für Griechenland verweigert.

Die Osteuropäer haben kein Verständnis mehr für die Griechen und ihre Beschwerden

Die Slowakei steht mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den Griechen keineswegs alleine da. Auch das arme Baltikum und Slowenien, welche für eine EU-Mitgliedschaft ebenfalls durch harte Spar- und Reformprogramme gehen musste. Für sie ist das "Gejammer" der Griechen unverständlich. Schließlich haben diese die ganze Zeit über ihren finanziellen Kapazitäten gelebt. Tatsächlich haben die Osteuropäer mit ihren Beschwerden nicht ganz Unrecht. Griechenland hat ein deutlich höheres Pro-Kopf-Einkommen, als die osteuropäischen Staaten (außer Slowenien). Und das obwohl die griechische Wirtschaft stetig schrumpft. Auch der Mindestlohn in Griechenland ist exorbitant höher. Doch muss man auch eingestehen, dass das Preisniveau in Griechenland deutlich höher ist. Dennoch. Die "FAZ" zitiert Simeon Djankov, bis 2013 Finanzminister und stellvertretender Regierungschef von Bulgarien: "Ökonomisch ist der Befund eindeutig: In Griechenland lässt es sich dank europäischer Hilfe besser leben als in Osteuropa". Und: "Unsere Leute sind zu recht sauer, dass es sich Athen auf Kosten der EU gutgehen lässt, während wir uns allein durchbeißen."

Lesen Sie auch: Athen will Geldgebern laut Bloomberg Schulden zurückzahlen.

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gea/loc/news.de

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