Griechenland-News: Insolvent! Euro-Rettungsfonds erklärt EU-Land für pleite

Zwei Tage vor dem entscheidenden Referendum hat der ESFS Griechenland für insolvent erklärt. Was das bedeutet und wie Bundesfinanzminister die Rettungschancen für das Krisenland einschätzt, erfahren Sie hier.

Der Bundesfinanzminister: Vielen Griechen verhasst, in Deutschland geschätzt. Bild: Socrates Baltagiannis/dpa

Griechenland ist insolvent. Das zumindest erklärt der Eurorettungsfonds EFSF/ESM. Er wird vorerst nicht von der Möglichkeit Gebrauch machen, seine Milliardenkredite an Griechenland sofort zurückfordern.

Der Verwaltungsrat bewertete die jüngst ausgebliebene Überweisung einer Kreditrate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag zwar als offiziellen Fall von Zahlungsausfall. Auf mögliche scharfe Sanktionen wie die sofortige Rückforderung aller Verbindlichkeiten wurde allerdings verzichtet. Die Situation werde kontinuierlich beobachtet, hieß es.

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Griechenland insolvent: ESFS über Zahlungsausfall besorgt

"Dieser Zahlungsausfall gibt Anlass zu großer Sorge", kommentierte der Präsident des Euro-Rettungsschirms Klaus Regling. Griechenland breche damit seine Verpflichtungen und riskiere ernsthafte Konsequenzen für Wirtschaft und Bevölkerung.

Der EFSF könnte der aktuellen Mitteilung zufolge theoretisch Gelder in Höhe von insgesamt knapp 145 Milliarden Euro sofort zurückfordern. Wie weiter verfahren wird, soll später in enger Abstimmung mit den Euro-Staaten, der EU-Kommission und dem IWF entschieden werden.

Wolfgang Schäuble: So bald werden keine Gelder an Griechenland fließen

Finanzminister Wolfgang Schäuble dämpft indes Hoffnungen der griechischen Regierung, nach der Volksabstimmung am Sonntag zügig frische Hilfsgelder zu erhalten. Verhandlungen darüber würden nach Auslaufen des letzten Programms "auf völlig neuer Grundlage und unter erschwerten wirtschaftlichen Voraussetzungen" stattfinden. "Das wird schon eine Weile dauern", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

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Schäuble sagte: "Der Vorschlag, über den die Regierung abstimmen lassen will, liegt nicht mehr auf dem Tisch. Wir müssen abwarten, wie die Regierung in Athen mit dem Ergebnis umgeht, welche Folgen das hat. Und dann können die Griechen einen Antrag auf Aufnahme von Verhandlungen stellen." Wenn es einen solchen griechischen Antrag gebe, werde er von den Finanzministers der Eurozone geprüft. "Und wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, wird die Euro-Gruppe neue Verhandlungen befürworten. Entscheiden muss vorher der Bundestag. Nur dann dürfen wir überhaupt verhandeln."

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zurück Weiter Am Tag vor Angela Merkels Griechenland-Besuch gehen bereits Hunderte Hellenen auf die Straße. Sie machen deutlich: Die Kanzlerin ist bei ihnen nicht willkommen. (Foto) Foto: ddp images/AP Photo/Thanassis Stavrakis Kamera

Griechenland-Referendum hat Vertrauen der EU erschüttert

Schäuble erwartet schwierige Verhandlungen. "Die Rede ist von einem Programm nach dem klaren Prinzip: Unterstützung nur für echte Gegenleistung. Griechenland braucht Reformen. Aber ich weiß jetzt schon: Das würden sehr schwierige Verhandlungen sein. Denn die Lage in Griechenland hat sich in den letzten Wochen dramatisch verschlechtert."

Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte die Volksabstimmung über die Reformvorschläge der Gläubiger Griechenlands überraschend vor knapp einer Woche angekündigt, was die Verhandlungen der Euro-Finanzminister mit dem hoch verschuldeten Land scheitern ließ.

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zij/news.de/dpa

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