Konflikte: Schwere Krawalle in Jerusalem

Jerusalem - Nach einem mutmaßlichen Rachemord an einem jungen Araber haben sich Palästinenser in Jerusalem heftige Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Leiche eines 16-jährigen Arabers wurde in einem Wald bei Jerusalem gefunden.

Schwere Krawalle in Jerusalem Bild: Mahfouz Abu Turk/dpa

Israelische Medien sprachen von möglicher Rache rechtsgerichteter Israelis für den gewaltsamen Tod dreier verschleppter jüdischer Jugendlicher. Der israelische Polizeisprecher Micky Rosenfeld sagte, es werde geprüft, ob es sich um einen Mord nach einer Entführung handle. Auch ein krimineller Hintergrund sei möglich.

Im arabischen Ostteil Jerusalems kam es nach dem Mord zu schweren Krawallen. Nach palästinensischen Angaben mussten rund 60 Menschen medizinisch behandelt werden, unter den Verletzten waren auch zwei Journalisten. Medienberichten zufolge wurden sie von Gummi-Geschossen getroffen. Die Demonstranten hätten sieben Rohrbomben auf die Polizisten geworfen, berichtete der israelische Rundfunk. Die Stadtbahn musste angesichts der Krawalle ihren Betrieb einstellen. Mehrere Haltestellen wurden in Brand gesetzt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem «abscheulichen Mord» und forderte eine rasche Untersuchung der Todesumstände. «Israel ist ein Rechtsstaat und jeder ist verpflichtet, das Recht einzuhalten», sagte er nach Angaben seines Büros.

Am Vortag hatten Hunderte Demonstranten in Jerusalem Rache für den Mord an drei jüdischen Jugendlichen gefordert. Sie waren am 12. Juni nahe Hebron im südlichen Westjordanland verschwunden, zweieinhalb Wochen später wurden am Montag ihre Leichen gefunden. Israel macht die radikalislamische Hamas für die Tat verantwortlich. Bislang hat sich aber keine Palästinenserorganisation zu der Tat bekannt.

Nach palästinensischen Angaben wurde der 16-jährige Mohammed Abu Chedair in der Nacht zum Mittwoch vor seinem Haus im Viertel Schoafat in Ost-Jerusalem entführt. Unbekannte hätten ihn in ein Fahrzeug gezerrt, berichteten palästinensische Medien. Eine offizielle Bestätigung der Identität des Toten durch die israelische Polizei steht noch aus. Aus der Familie des verschwundenen Jugendlichen hieß es aber, der Vater habe seinen Sohn identifiziert.

Die Leiche wies nach Medienberichten Brandspuren auf. Polizeiminister Izchak Aharonovich sagte vor Journalisten, der Tote sei offenbar der Entführte, dies werde jedoch weiter überprüft.

Ein Sprecher des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas sagte, Israel sei verantwortlich und müsse die Täter fassen. Der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat verurteilte den Mord als «schreckliche und barbarische» Tat. Justizministerin Zipi Livni sagte: «Ich hoffe, dass es kein Akt der Rache war.»

Netanjahu wollte am Mittwochabend erneut sein Sicherheitskabinett zu einer Beratung über das weitere Vorgehen gegen die Hamas versammeln. Nach einer Sitzung in der Nacht zum Mittwoch hatte es keine Stellungnahme gegeben. Vor der Sitzung hatte Netanjahu eine Fortsetzung der harten Maßnahmen gegen Hamas angekündigt. «Wir werden die Mörder fassen und alle, die an der Entführung beteiligt waren», sagte er.

Auch Abbas hatte am Dienstagabend die Palästinenserführung zu einer Sondersitzung versammelt. Nach Angaben seines Sprechers ging es dabei um das israelische Vorgehen in den Palästinensergebieten nach der Entführung - die Tötung von sechs Palästinensern, Massenfestnahmen und Häuserzerstörungen.

In einem Dorf bei Hebron zerstörte die israelische Armee das Haus eines Palästinensers, dem der Mord an einem israelischen Polizeioffizier vorgeworfen wird.

news.de/dpa

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