Von news.de-Volontärin Ines Fedder - 02.06.2014, 10.04 Uhr

Welthurentag 2014: Wenn Huren das Schicksal des Landes entscheiden

Das Geschäft mit der Lust ist längst gesellschaftsfähig geworden. Das älteste Gewerbe der Welt ist nicht nur ertragreich, sondern lenkte im Laufe der Jahrhunderte auch entscheidend die Politik.

Internationaler Hurentag 2014

Wer hätte jemals geglaubt, dass es irgendwann einmal einen Internationalen Hurentag geben würde? Die käuflichen Damen aus der Zeit des Mittelalters bestimmt nicht. Heute aber, am International Sex Workers' Day, werfen wir einen Blick zurück auf die Geschichte des Geschäfts mit der Lust.

Der internationale Hurentag wurde am 2. Juni 1975 eingeführt, als in Frankreich mehr als 100 Prostituierte in der Kirche Saint-Nizier in Lyon demonstrierten, um auf ihre Situation und die Gefahr ihres Gewerbes aufmerksam zu machen. Die Hochzeit der Prostitution begann im Mittelalter.

Prostitution im Mittelalter

Gerade im Mittelalter boomte das Geschäft mit der käuflichen Liebe. Im Gegensatz zu heute waren die Huren damals jedoch jeglicher Entscheidungsfreiheit beraubt. Wer seinen Körper verkaufte, musste jeden Kunden bedienen, der sich den leichten Damen anbot, gesellschaftliche Stellung hin oder her.

Der Ausdruck Prostituierte war im Mittelalter noch nicht geläufig. Viel mehr waren die Frauen als Dirnen bekannt, sogenannte leichte Mädchen, die gegen Bezahlung mit Männern schliefen. Die Tatsache, dass sie dafür Geld nahmen, war zu Zeiten der Armut moralisch nicht so verwerflich wie heute, schließlich mussten die ledigen Damen meist uneheliche hungrige Mäuler stopfen.

Die Huren hatten zwar keinerlei Rechte, verschafften sich aber im Laufe der Geschichte eine nicht unbedeutende Position am Hofe und auch in den Dörfern auf dem Land. So wurden die leichten Damen zu gesellschaftlichen Anlässen eingeladen, um das bunte Treiben der meist ungezügelten Adligen zu unterstützen.

Im Spätmittelalter siedelten sich in den Städten die ersten Bordelle an, damals noch als Frauenhäuser bekannt. Meist junge Frauen, die von der Gesellschaft verstoßen wurden, fanden dort einen Platz und standen mit ihrem Körper den Männern zur Verfügung. Obwohl Prostitution in den Frauenhäusern oft mit Ausbeutung, Vergewaltigung und brutaler Gewalt einherging, waren sie offiziell gestattet, um schlimmere Verbrechen auf der Straße zu verhindern. Die Huren waren vom Bürgerrecht ausgeschlossen und den Männern hilflos ausgeliefert ... meistens!

Prostitution in Frankreich: Mätressen, Geliebte des Königs

Zwangsheirat, der Druck einen Erben zu zeugen und ebenso Langeweile und zu viel Macht trieben die Adligen vor allem in Frankreich im Laufe der Jahrhunderte in die Arme der Mätressen. Im Gegensatz zu den Huren in den Frauenhäusern hatten die Gespielinnen der Könige einen entscheidenden Vorteil: Sie konnten durch ihre Stellung am Hofe und die Nähe zum König ihre persönlichen Belange zum Vorteil nutzen, lenkten sogar selbst durch ihr Handeln entscheidend die Zukunft des Landes.

Die Bedeutung der Mätressen im Laufe der Zeit verschob sich. Während die Frauen am Hofe in der Renaissance noch die Stellung einer Geliebten einnahmen, galten sie im Absolutismus schon als mächtige Karrierefrauen. Man war allerdings erst dann eine Mätresse, wenn man am Hofe offiziell eingeführt wurde.

Die schönen Damen bekamen ein monatliches Gehalt und eine eigene Wohnung für ihre Dienste. Die einflussreichen Geliebten des Königs konkurrierten nicht selten mit der Königin, waren aber dennoch an ihrer Seite geduldet. Im Gegensatz zu den Zwangsehen, die die mächtigen Könige eingingen, basierte das Verhältnis zu den Mätressen auf echter Zuneigung.

König Ludwig XIV. heiratete seine Mätresse Marquise de Maintenon sogar in zweiter Ehe, Friedrich IV. von Dänemark ehelichte ebenfalls seine Geliebte Anna Sophie von Reventlow und der russische Zar Peter der Große nahm seine Mätresse Martha Skawronskaja zur Frau, die später als Zarin Katharina I. in die Geschichte einging.

Mit der Emanzipation des Bürgertums verloren die Mätressen an Bedeutung und an Macht in Europa. Die einstigen geschickten Lenkerinnen des Landes, die in den Schlafzimmern die Fäden zogen, verloren ihre Rechte und ihren Einfluss am Hofe. Das Geschäft mit der Lust wurde zur illegalen Zwangsprostitution.

Prostitution in Deutschland heute: Gesetzeslage eindeutig

Bis zum Jahre 2001 galt die Prostitution offiziell als sittenwidrig. Die Angst vor Zwangsprostitution und dem illegalen Geschäft mit der Lust ließ die Politik jedoch aufhorchen. Verbotener Frauenhandel durch illegale Einwanderer aus den Oststaaten sollte verhindert werden, was dazu führte, dass dem käuflichen Gewerbe offiziell mehr Rechte zugesprochen wurden.

Andere Länder, andere Sitten
Käuflicher Sex
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Seit dem 1. Januar 2002 gilt in Deutschland das allgemeine Prostitutionsgesetz, das die gekaufte Lust offiziell als Dienstleistungsgewerbe einstuft. Geregelt werden sollen durch das Gesetz unter anderem die Zahlungsmodalitäten der Freier und die Bestimmungen zum Arbeitsumfeld.

Promis in der Erotik-Falle

Skandale um Promis und Prostituierte gibt es viele. Der Schauspieler Hugh Grant wurde 1995 zusammen mit der Hure Divine Brown bei einem Blow-Job in seinem Auto erwischt, was dem noch jungen Schauspieler nicht nur das Ende seiner Beziehung mit Liz Hurley einbrachte, sondern auch beinahe das Karriere-Ende für ihn bedeutete.

Bunga-Bunga-Prinz Berlusconi machte mit Sexpartys mit Minderjährigen in seiner Villa in Italien Schlagzeilen und auch Fußball-Star Frank Ribéry wurde angeklagt, weil er sich angeblich auf eine minderjährige Prostituierte eingelassen hatte.

Nicht zuletzt wegen solcher Skandale kämpft Frauenrechtlerin Alice Schwarzer seit Jahren für ein Verbot der Prostitution. Allerdings verlor die Emma-Herausgeberin wegen des Steuerskandals zunehmend an Überzeugungskraft.

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loc/news.de

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