Kirche: Papst lädt Peres und Abbas zu Gebeten für den Frieden ein

Bethlehem - Papst Franziskus hat bei einem Besuch am Geburtsort Jesu von Israel und den Palästinensern «Mut zum Frieden» gefordert. Beide Seiten sollten ihre Anstrengungen verdoppeln, um ihren «unerträglichen» Konflikt zu beenden und einen stabilen Frieden zu erreichen.

Papst lädt Peres und Abbas zu Gebeten für den Frieden ein Bild: Osservatore Romano Handout/dpa

Das sagte der Papst in Bethlehem bei einem Treffen mit der palästinensischen Führung um Präsident Mahmud Abbas. Zugleich lud er überraschend Abbas und den israelischen Präsidenten Schimon Peres für Juni zu einem Friedens-Gebet in den Vatikan ein. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass beide Politiker die Einladung annehmen würden.

Vor Tausenden jubelnden Palästinensern zelebrierte der Pontifex auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem eine Heilige Messe.  Bei seiner Fahrt durch Bethlehem stieg Franziskus dann plötzlich aus seinem Papamobil aus und näherte sich der israelischen Trennmauer. Er sei damit vom Programm abgewichen, berichteten Kirchenkreise in der Stadt im Westjordanland. Franziskus, der gern überraschende Gesten sprechen lässt, schien an der von Israel entlang der Palästinensergebiete errichteten Zementbarriere einige Momente wie im Gebet zu verharren.

Abbas dankte dem Oberhaupt der katholischen Kirche für seine Bemühungen, «unserem Volk Gerechtigkeit und Rechte zu bringen». «Ich sende eine Botschaft an unsere israelischen Nachbarn, eine Friedensbotschaft: "Lasst uns Frieden schließen!"», sagte Abbas. Beide Völker teilten das gleiche Bedürfnis nach Frieden und Sicherheit. Ende April waren jedoch neunmonatige Friedensgespräche ergebnislos zu Ende gegangen.

Der für eine Friedensregelung notwendige Mut besteht nach Einschätzung des Papstes darin, «dass alle das Recht zweier Staaten bejahen, innerhalb anerkannter Grenzen zu existieren und Frieden und Sicherheit zu genießen». Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern habe dramatische Folgen, beklagte Franziskus. Er führe zu «Unsicherheit, zur Verweigerung der Rechte, zu Isolierung und Auswanderung ganzer Gemeinden und zu Not und Leiden aller Art».

Nach einem Besuch in einem palästinensischen Flüchtlingslager reiste der Papst am Nachmittag nach Israel weiter. Wegen des Streits zwischen Israel und Palästinensern um Jerusalem konnte Franziskus jedoch die wenigen Kilometer zwischen beiden Städten nicht im Auto zurücklegen. Stattdessen musste er per Hubschrauber zur offiziellen Begrüßung in Israel rund 50 Kilometer bis zum internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv fliegen. Und dann dieselbe Strecke gleich wieder zurück.

Die israelische Polizei nahm vor dem Besuch des Papstes jüdische Extremisten bei einer Protestaktion in Jerusalem fest. Polizeisprecher Micky Rosenfeld bestätigte, etwa 26 radikale Demonstranten seien am Davidsgrab festgenommen worden. Dort im Abendmahlsaal will der Papst am Montag eine Messe lesen. Nach Rosenfelds Angaben sind im Großraum Jerusalem etwa 8000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um für Ruhe zu sorgen.

Der wichtigste Termin des Papstes in Israel ist ein ökumenisches Treffen in der Grabeskirche in Jerusalem. Die Reise endet am Montag nach einem Besuch der Klagemauer und der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu würdigte Papst Franziskus für seine entschlossene Haltung im Kampf gegen Antisemitismus. «Der Mordanschlag in Brüssel ist das Ergebnis ständiger Aufstachelung gegen den Staat Israel durch verschiedene Elemente im Nahen Osten und in Europa selbst», sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros am Sonntag in Jerusalem. Ein Unbekannter hatte am Samstag im Jüdischen Museum in Brüssel drei Menschen erschossen, unter ihnen ein Paar aus Israel.

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news.de/dpa

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