Atom: Strahlenschutz-Chef: Endlager vor 2050 sehr ambitioniert

Berlin - Nach mehr als 35 Jahren Konzentration auf den Salzstock Gorleben startet in Deutschland die bundesweite Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll.

Strahlenschutz-Chef: Endlager vor 2050 sehr ambitioniert Bild: Jens Wolf/dpa

In Berlin kommt am Mittag erstmals eine beim Bundestag angesiedelte Fachkommission zusammen, die bis 2016 Kriterien für die Suche erarbeiten soll.

Bis 2031 soll ein Standort festgelegt werden. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, rechnet damit, dass ein Endlager frühestens im Jahr 2050 betriebsbereit ist. «Das wäre sehr ambitioniert», sagte König der Deutschen Presse-Agentur. «Alle früheren Zeitvorstellungen haben sich als falsch erwiesen.»

Bisher gilt eine Lagerung in tiefen Gesteinsschichten als wahrscheinlich, infrage kommen Salz-, Ton- und Granitgestein. Die einzelnen Auswahlschritte müssen vom Bundestag gebilligt werden. König bekräftigte, für ein Endlager komme nicht ganz Deutschland infrage, mögliche Regionen gebe es unter anderem in Norddeutschland. Nachdem in Gorleben schon 1,6 Milliarden Euro investiert wurden, wird mit Kosten von 2 Milliarden Euro für die neue Suche gerechnet.

Der Vorsitzende der Kommission, der SPD-Politiker Michael Müller, will vor allem auch Bürgerinitiativen in die Arbeit einbinden. Hier seien vertrauensbildende Maßnahmen erforderlich, sagte er am Donnerstag im ARD-«Morgenmagazin». «Da hat es in der Vergangenheit viele Verletzungen gegeben, viele Konflikte.» Auf einen Zeitrahmen bei der Suche wollte er sich nicht festlegen.

Kommissionsmitglied Ulrich Kleemann rechnet mit einem raschen Aus für den Standort Gorleben. «Ich gehe davon aus, dass Gorleben schon in einer frühen Phase dieses Verfahrens ausscheiden wird - und zwar aus streng wissenschaftlichen Gründen», sagte Kleemann, der auf Vorschlag von SPD und Grünen als Wissenschaftler in das Gremium gewählt wurde, der in Koblenz erscheinenden «Rhein-Zeitung».

Der Experte geht davon aus, dass Niedersachsen gleichwohl in der engeren Auswahl bleiben wird. Als weitere potenzielle Standorte nannte er «die Tonvorkommen in Norddeutschland, die sich von NRW über Niedersachsen bis Brandenburg erstrecken, sowie in Süddeutschland, vor allem in Baden-Württemberg». Hinzu kämen Salzgesteine in Norddeutschland und die Kristallinvorkommen in Bayern und Sachsen.

Bundestags-Beschluss

Infos zu Gorleben und Zwischenlagerung

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news.de/dpa

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