Folter-Umfrage: Elektroschock, Waterboarding: Jeder fünfte Deutsche dafür!

In 141 Ländern wurde 2013 gefoltert, mit Elektroschocks an den Genitalien, Zigaretten auf der Haut, an Gliedmaßen aufgehängt. Parallel zu seinem aktuellen Folterbericht befragte Amnesty International 21.000 Menschen, ob sie Folter unter bestimmten Bedingungen in Ordnung finden. 19 Prozent der Deutschen sagte «Ja».

Ein gefährlicher Kindsentführer, der einen kleinen Jungen gefangenhält. Die Polizei fasst ihn, er will nicht preisgeben, wo er das Kind versteckt hat. Es geht um Leben und Tod. Die Ermittler wissen sich nicht anders zu helfen: Sie drohen dem Mann mit Gewalt - mit Folter!

So geschehen 2002 in Deutschland. Es ging um den Bankierssohn Jakob von Metzler, das Kind war zu dem Zeitpunkt schon tot, was jedoch außer dem Entführer niemand wusste. Die Polizisten, die mit Gewalt drohten, wurden zu Geldstrafen und Bewährung verurteilt.

20 Prozent der Deutschen finden Folter in Ordnung

Kann, darf, sollte Folter in bestimmten Situationen erlaubt sein? Diese Frage hat Amnesty International jetzt formuliert, im Wortlaut fragten die Menschenrechtler: «Folter ist manchmal notwendig und akzeptabel, um Informationen zu bekommen, die die Öffentlichkeit schützen können. Stimmen Sie dieser Aussage zu?»

21.000 Menschen in 21 Ländern stellte Amnesty genau diese Frage. Ein anderes Szenario: Terroristen haben eine Bombe mit Zeitzünder an einem Flughafen versteckt. Die Polizei erwischt die Täter, findet jedoch die Bombe nicht, und die Terroristen schweigen wie ein Grab. Sollte man ihnen mit Schmerzen drohen (und ihnen diese gegebenenfalls auch zufügen), um Tausende zu retten?

20 Prozent der Deutschen antwortete auf die Frage von Amnesty International mit «Ja»: Sechs Prozent stimmten «klar zu», 13 Prozent «etwas zu». Die deutliche Mehrheit aber ist hierzulande gegen Folter, egal, in welcher Situation. «Strikt dagegen» sind 59 Prozent. Noch deutlicher sind da die Griechen: 75 Prozent lehnen jede Folter strikt ab.

Fast die Hälfte der US-Amerikaner stimmt für Folter

Ganz anders sieht es in der Türkei aus. Dort findet ein Drittel der Menschen Folter unter bestimmten Bedingungen in Ordnung, nur 28 Prozent antworteten auf die Frage: «Ich stimme strikt dagegen.» Auf europäischer Ebene ist die Türkei damit das Land, das gewaltsame Verhörmethoden am stärksten toleriert.

Noch krasser die Umfrageergebnisse in den USA: 45 Prozent der Menschen stimmten der Aussage zu oder etwas zu. Fast die Hälfte der US-Amerikaner hält Gewalt also für eine Option im Verhör möglicherweise Unschuldiger - kein Wunder, dass es Barack Obama nicht gelungen ist, Guantanamo zu schließen.

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In Afrika (Ghana, Nigeria) wird Folter von der Mehrheit toleriert

Es gibt tatsächlich Länder, in der eine deutliche Mehrheit die Frage mit «Ja» beantwortet hat! In Kenia 66 Prozent, in Nigeria 64 Prozent - beides Länder, in denen die Menschenrechte noch nicht besonders tief verankert sind, weder politisch noch, wie wir sehen, im öffentlichen Bewusstsein.

Drei Viertel der Chinesen findet Folter in Ordnung!

Am drastischsten fiel die Antwort in China aus: 74 Prozent stimmten der Aussage zu oder etwas zu. Auch in Südamerika ist die Gewalt-Toleranz hoch. 40 Prozent der Peruaner und 29 Prozent der Mexikaner finden Folter in bestimmten Fällen in Ordnung.

Keine Frage, die Toleranz für Folter steigt mit der Gewohnheit. In 141 Ländern der Erde wurde 2013 Folter angewendet, an der Tagesordnung ist sie zum Beispiel in Nordkorea, Syrien, Mexiko. Und die Methoden werden immer brutaler, dokumentiert Amnesty International in seinem Bericht.

Der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, kritisiert die Doppelmoral vieler Staaten bei Folter: «Per Gesetz wird sie verboten und in der Praxis erleichtert.» Der Rechtfertigungsgrund ist immer häufiger die nationale Sicherheit. Die USA hätten diesbezüglich ein schlechtes Vorbild abgegeben, kritisiert Amnesty.

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iwi/news.de

22 Kommentare
  • BLABLABLA

    21.05.2014 09:37

    Wer wurde da wieder gefragt, waren das alles Politiker aus der EUDSSR? Folter und Demokratie vertragen sich nicht. Eine durch Folter erzwungene Aussage darf nicht gewertet werden. Für mich ist das linksfachistische Propaganda

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  • Drachensteppen

    16.05.2014 15:23

    Fortsetzung: Wir sind ein Rechtsstaat und sollten es auch bleiben. Wenn wir den staatlichen Institutionen die Möglichkeit zur Ausübung von Gewalt zur Erzwingung einer Aussage geben, wird dies auch infltionär genutzt werden (schon allein deshalb, weil es dann schneller geht). Es ist was anderes, ob ein Vater (oder Mutter) zu solchen drastischen Mitteln greift um zu erfahren, wo sein (ihr) Kind versteckt ist. Dies brechen absichtlich das Gesetz und nehmen auch die Konsequenzen in kauf. Eine staatlich Institution darf das nicht, sie ist als Exekutive der Judikative unterworfen.

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  • Drachensteppen

    16.05.2014 15:14

    Es gibt genügend Mittel, um zu einem Geständnis zu kmmen, da braucht es keine Gewalt. Der Kommissar, der mir der flachen Hand auf den Tisch haut und damit Angst erzeugt, verhält sich nicht gesetzeskonform. Es geht hier nicht darum, ob ich an den Schaden für den Täter oder das Opfer denke. Ein Täter ist er erst, wenn er rechtskräftig verurteilt ist. Wird also Gewalt bei einem Verdächtigen ausgeübt, ob er gestanden hat oder nicht, wird per Gesetz einem Unschuldigen Gewalt angetan (wie schnell einer verurteilt wird, obwohl er unschuldig ist, sieht man gerade am Fall Ulvi Kulac).

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